Ära Bill Emmott endet
Chef des „Economist“ tritt ab

Beim „Economist“ geht eine erfolgreiche Ära zu Ende. Chefredakteur Bill Emmott kündigte mit erst 49 Jahren seinen Rückzug von dem britischen Wirtschaftsmagazin an, das wie kaum ein anderes weltweit Einfluss auf Ökonomen und Unternehmenslenker hat.

HB LONDON. Emmott will sich auf das Schreiben von Büchern konzentrieren. Als mögliche Nachfolger gelten Medienberichten zufolge die stellvertretende Chefredakteurin Emma Duncan, der US-Editor John Micklethwait und der Leiter des Ressorts Business Affairs, Ed Carr.

„Ich würde gerne als Editor in Erinnerung bleiben, der den Economist zu einem wirklich globalen Medium gemacht hat“, sagte Emmott in einem Interview. Das dürfte ihm gelingen, denn in seiner Amtszeit verdoppelte er die Auflage des Blattes von gut einer halben auf mehr als eine Million Exemplare, vor allem dank des Durchbruchs auf dem US-Markt.

Emmotts Karriere beim Economist begann bereits 1980 als Jungkorrespondent in Brüssel. Weitere Stationen waren Korrespondent in Tokio und Leiter der Ressorts Finanzen und Business Affairs. Schon früh zeigte er sich als klarsichtiger Analyst der Weltwirtschaft. In seinem 1989 erschienenen Buch „The sun also rises“ wies er auf strukturelle Schwächen Japans hin und schilderte die Ängste in den USA vor dem Aufstieg des Landes als übertrieben.

1993 wurde er zum Chefredakteur berufen. Er gestaltete den Economist um. Außerdem machte er das Blatt nach eigenem Bekunden „menschlicher. Wir waren manchmal zu abstrakt“, sagte er.

In der 163-jährigen Geschichte des Blattes, das 1843 von einem schottischen Hutmacher aus Protest gegen britische Steuern gegründet wurde, ist Emmott der 15. Chefredakteur. Der „Economist“ gehört heute zur einen Hälfte dem Verlagshaus Pearson, das auch die „Financial Times“ herausgibt, und zur anderen britischen Unternehmerfamilien wie den Rothschilds, den Schroders und den Cadburys.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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