AIG-Chef
Edward Liddy: Der Mann mit den zwei Gesichtern

Wasser predigen und Wein trinken, keiner kann das derzeit so gut wie Edward Liddy. Der AIG-Chef präsentiert den Neuanfang und verzichtet auf sein Gehalt - doch sein Lebensstandard ist gesichert. Wie der harte Sanierer Edward Liddy auch mit Hilfe der Staatsgelder kräftig abkassierte.

NEW YORK. Der AIG - Chef brüstet sich damit, gerade einmal einen Dollar Jahressalär vom Versicherungsriesen zu bekommen, der mit insgesamt 183 Mrd. Dollar im Herbst vom Staat vor der Pleite gerettet werden musste. Doch das ist weniger als die halbe Wahrheit. Denn Ende März kam heraus, dass Liddy kräftig absahnt - auch mit Hilfe der Staatsgelder. Schuld ist sein früherer Job bei der Investmentbank Goldman Sachs. Dort saß er, auf Betreiben seines langjährigen Freundes und damaligen Finanzministers Henry Paulson fünf Jahre lang im Aufsichtsrat. Aus dieser Zeit liegen noch immer Goldman-Sachs-Aktien im Wert von über drei Millionen Dollar auf Liddys Privatkonten. Seinen Lebensstil muss er damit nicht allzu stark einschränken.

Verboten ist das nicht, delikat daran ist aber, dass Liddy, inzwischen AIG-Chef, die Staatsgelder für den angeschlagenen Versicherungs-Riesen auch dazu nutzte, AIG?s Schulden bei Goldman zu tilgen. Insgesamt 13 Mrd. Dollar erhielt die Investmentbank von AIG. Das ist gut für Goldman und noch besser für den Kurswert der Liddy-Anteile. Einen Interessenkonflikt zwischen den AIG-Zahlungen an Goldman und seinem persönlichen Profit konnte Liddy dabei augenscheinlich nicht ausmachen.

Das will so gar nicht zu dem neu geschaffenen Image des Mannes passen, der mit seinem rundlichen Gesicht, den leicht geröteten Wangen und dem buschigen, weißen Haar eher das Bild von einem gütigen Patron abgibt. Berechnend wirkt er auf den ersten Blick nicht.

"Geschmacklos" nannte er zuletzt Bonusauszahlungen an die AIG-Mitarbeiter, die das Unternehmen im März noch einmal in Millionenhöhe auf seine Angestellten herabregnen lassen hatte. Timothy Geithner schrieb er, AIG werde für 2009 noch ausstehende Zahlungen an Spitzenmanager stark zurückfahren. Dass er die letzten Zahlungen in seiner Funktion als AIG-Chef schon abgesegnet hatte und deswegen Präsident Barack Obama und dem Kongress Rede und Antwort stehten musste, erwähnte er dabei nicht. Lieber drückte er auf die Tränendrüse und las Auszüge aus Drohbriefen vor, die er erhalten hatte.

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