AIG
Greenberg: Der Mann mit den harten Bandagen

Milliardenschwer wiegt der Sieg, den Maurice „Hank“ Greenberg in der letzten Schlacht gegen den von ihm selbst aufgebauten Weltkonzern AIG davon getragen hat: Gut 4,3 Mrd. Dollar verbleiben nach dem jüngsten Gerichtsentscheid in der Kriegskasse der Beteiligungsgesellschaft Sico, die der 84-Jährige Ex-AIG-Chef kontrolliert.

NEW YORK. Unrechtmäßig soll Sico sich 290 Mio Aktien angeeignet haben, die eigentlich für ein Vergütungsprogramm der Mitarbeiter vorgesehen waren, hatten die Vorwürfe in der Schadenersatzklage gelautet, die das Gericht jetzt abwies. Ob das Urteil Greenberg aber auch nur einen Deut näher an sein Ziel bringt, seinen Ruf als Ikone der US-Versicherungswirtschaft wieder her zu stellen, ist zweifelhaft.

Fast 40 Jahre lang führte Hank Greenberg AIG und machte den Konzern zum Global Player. Mehr noch: Mit seinen Söhnen Jeffrey und Evan, die ebenfalls Versicherungskonzerne leiteten, kontrollierte er lange Zeit große Teile des US-Assekurranz-Marktes. 2003 wurde er zum Vorstandschef des Jahres gewählt. In diesen Jahren des Erfolgs war er ein gefragter Gast und Ratgeber bei Firmenbossen und Politikern, bis hin zum Präsidenten.

Der Absturz kam 2005. Der für seine aggressiven Methoden bekannte New Yorker Staatsanwalt Eliot Spitzer warf Greenberg Bilanzbetrug vor. Daraufhin wurde der angegraute Topmanager vom Aufsichtsrat zum Rücktritt gezwungen, um die Firma zu schützen. Bewiesen wurden die Anschuldigungen bis heute nicht. Greenberg reagierte auf seine Weise: Er ließ Sico die Pensionszusagen an AIG kündigen. Milliarden an sicher geglaubten Zahlungen an AIG-Angestellte lösten sich in Luft auf.

Jetzt versüßte ihm eine New Yorker Jury die Rache und entschied, dass sein Vorgehen rechtmäßig gewesen war. Die Vorwürfe seien „schwach“ und unbegründet“ hieß es in der Begründung. Sico braucht deshalb die 4,3 Mrd. Dollar Erlös aus dem Verkauf von AIG-Aktien nicht zurückzuzahlen. Eine schmerzhafte Schlappe für das Management des Konzerns, das kaum darauf setzen kann, dass der zuständige Richter den Entscheid Mitte des Monats noch aufhebt.

Eine Ende der Schlammschlacht vor Gericht ist dennoch nicht in Sicht: Denn auch Greenberg hat gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber geklagt. Weil der Kollaps des Versicherers ihn persönlich als Aktionär zwei Mrd. Dollar gekostet hat, verklagt er sein Ex-Unternehmen wegen verspäteter Information der Anteilseigner. Bei diesem Prozess dürfte es auch darum gehen, wie viel er selber von den fatalen Spekulationen des Londoner AIG-Kapitalmarktteams, um sein Ziehkind Steven Cassiano, wusste. Jenen Geschäften, die die AIG im vergangenen Jahr an den Rand des Kollaps gebracht hatten.

Der aktuelle AIG-Chef Ed Liddy warf ihm zuletzt vor, zumindest teilweise für das Desaster verantwortlich zu sein, schließlich sei die Londoner Abteilung unter seiner Ägide gegründet worden. Greenbergs Reaktion kam sofort und gab eine Kostprobe davon ab, was vor Gericht zu erwarten ist: Liddy sei ein Autoverkäufer aus der Provinz, der nicht im mindesten die Qualifikation habe, einen globalen Konzern zu führen, beschimpfte er Liddy zur besten Sendezeit live im Fernsehen. Das stimmte zwar nicht ganz, denn tatsächlich arbeitete der von der Regierung geholte AIG-Retter nicht als Autoverkäufer, sondern als Chef des bei Autoversicherungen starken, führenden US-Versicherungskonzerns Allstate. Doch Greenberg kämpft eben mit harten Bandagen.

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