Air-Berlin-Chef Joachim Hunold
Rheinisch, aber knallhart im Geschäft

Air-Berlin-Chef Joachim Hunold wagt sich mit der Übernahme des Ferienfliegers LTU erstmals auf die Langstrecke. Dort gelten andere Regeln als im Kurz- und Mittelstreckenbereich. Einem Profi wie Hunold muss man das nicht sagen.

BERLIN. Seinen jüngsten großen Auftritt hatte er in einer unternehmensgerecht roten Ledermontur. Verkleidet als Flugpionier Charles Lindbergh, der in den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts erstmals den Atlantik im kleinen Flieger überquerte, präsentierte sich Joachim Hunold im Februar einem Millionenpublikum an den Fernsehschirmen. Der Chef der Fluggesellschaft Air Berlin war von den Aachener Karnevalisten mit dem „Orden wider den tierischen Ernst“ ausgezeichnet worden.

Jetzt kann Hunold – wie Lindbergh – ebenfalls den Atlantik im eigenen Flugzeug überqueren, jedoch etwas komfortabler im Großraum-Jet seiner künftigen Tochtergesellschaft LTU. Damit hat sich die rheinische Frohnatur, die mit breitem Dialekt Heimat und Herkunft nicht verleugnet, nach erfolgreicher Expansion im europäischen Luftverkehr erstmals auf den tierischen Ernst der Langstreckenfliegerei eingelassen. In das interkontinentale Geschäft also, das nach anderen Regeln funktioniert als die Kurzstrecken-Hüpferei etwa in Europa und Nordamerika, die die Billigflieger hat groß werden lassen. Deren Prinzip heißt: Maschinen oft und lang in der Luft halten, minimale Aufenthaltszeiten am Boden – so wird ein Geschäft draus. Das beherrscht auch Air Berlin. Nur: So funktioniert es nicht auf Langstrecken; deshalb gibt es auf den Routen von Kontinent zu Kontinent trotz vieler Anläufe keine echten Low-Cost-Flüge.

Einem Profi wie Hunold muss man das nicht sagen. So wird er den Neuerwerb im Verbund mit seinen bisherigen Möglichkeiten sehen: Das dichte europäische Streckennetz kann er nutzen, um Passagiere für Langstreckenflüge zu generieren – nicht anders als Lufthansa. Nach einem Jura-Studium, bei dem der heute 58-jährige – wie er freimütig bekennt – durchs Examen rasselte, hat er sich der Fliegerei verschrieben. Er begann bei LTU in Düsseldorf. Doch die Karriere dort blieb ihm versagt.

Das hat seine Gründe: Zwar geht „der Achim“, wie er branchenweit heißt, stets wirklich als Frohnatur durch, doch er hat seinen eigenen Kopf. Dass er ein knallharter Geschäftsmann ist, hat er in der Vergangenheit bewiesen. Beim Flugzeugkauf etwa: Als Erstkunde erwarb er zu günstigen Konditionen vor ein paar Jahren die weithin neu entwickelte Boeing 737-800. Was ihn dann nicht daran hinderte, später mit Airbus ins Geschäft zu kommen, um sich nicht in die Abhängigkeit von den amerikanischen Flugzeugbauern zu begeben.

Geschäfte macht er, so sagt er, gerne noch per Handschlag. Und bekräftigt, in der Branche wisse man nur zu gut, dass das dann gegebene Wort auch gelte. Genau wie das „Du“, das er seinen Gesprächspartner fast schon aufzwingt. Er sei, so hieß es in Aachen, „ein notorischer Duzer“.

Er nahm es mit einem Lächeln hin. Hinter der gerne gezeigten jovialen Fassade steckt auch ein Unternehmer, der so nicht in die mitbestimmte deutsche Landschaft passt. Betriebsräte gibt es bei Air Berlin nicht, alle Bemühungen sie zu installieren, sind gescheitert. Fürs Betriebsklima setzt der Chef mehr auf jährliche Betriebsfeste an jedem Standort, wo ein Air-Berlin-Flieger steht. Dass er im Kontakt mit den Mitarbeitern bis zum frühen Morgen durchhält, dementiert er nicht.

Umso mehr bekommt Hunold jetzt ein Problem: Bei LTU sitzt eine Arbeitnehmervertretung, die für hartnäckige Besitzstandswahrung bekannt ist – und die ihre Positionen selbst in den Krisenjahren der Düsseldorfer Ferienfluggesellschaft mit akuter Pleitenbedrohung nur sehr zögerlich räumte. Besonders pikant: Im LTU-Betriebsrat sitzt ausgerechnet Hunolds Ex-Frau.

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