Air Berlin
Ein Vorstand gegen viele Widerstände

Der Vorstand der zweitgrößten deutschen Fluglinie Air Berlin soll den Pilotenstreik verhindern. Seine Aufgabe ist herausfordernd, die Bodenhaftung darf er aber nicht verlieren. Denn bei Air Berlin gibt es viele verschiedene Einheiten mit Eigenleben.
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FRANKFURT. Seit seinem Amtsantritt im Juni 2009 bei Air Berlin steht Christoph Debus unter genauer Beobachtung. Der 39-Jährige, der seitdem als Vorstand der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft für den Vertrieb und das Netz verantwortlich ist, gilt als möglicher Nachfolger von Gründer und Vorstandschef Joachim Hunold. Und derzeit hat Debus alle Chancen und Risiken, sich zu beweisen - oder es sich zu verderben.

Seine Aufgabe ist herausfordernd, die Bodenhaftung darf er aber nicht verlieren. Air Berlin ist nicht gleich Air Berlin. Und das zeigt einmal mehr der aktuelle Streit zwischen Piloten und Management über deren Arbeitsbedingungen, der zu Streiks führen könnte.

Die Fluglinie ist in der Vergangenheit stark durch Zukäufe gewachsen. Übernommen wurden etwa DBA sowie LTU, jede mit eigenen Verhältnissen und Kulturen. Es ist nicht ein Flieger, den Debus da steuern muss. Es sind Einheiten mit Eigenleben, mit sogar konträren Interessen. Das beginnt beim Geschäftsmodell, geht über die IT und reicht bis zur Flotte und den Tarifverträgen für Crews und Piloten.

Zumindest bei den Manteltarifverträgen bei den Piloten glaubte Debus die Lösung gefunden zu haben, um die wichtige Harmonisierung der Arbeits- und Ruhezeiten für die Piloten hinzubekommen. Doch nun steht alles wieder infrage, droht ein Streik, wenn nicht noch die Einigung kommt. Das ist typisch für den Arbeitsalltag des studierten Wirtschaftsingenieurs. Seit seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren kämpft er mit seiner Aufgabe. Die Fortschritte kommen langsam. Immer noch ist der Düsseldorfer Ferienflieger LTU eine eigenständige Einheit, immer noch gibt es parallele Strukturen bei Air Berlin. Erst jetzt werden zum Beispiel in der Technik, also der Wartung, Doppelfunktionen beseitigt.

Dass Debus der richtige Mann für die Integration ist, daran gibt es in der Branche aber keine Zweifel. Der jugendlich wirkende Hesse gilt als Experte für Reorganisation und Prozessoptimierung. Gelernt hat er das Handwerk bei der Beratungsgesellschaft Roland Berger, wo er im Jahr 2004 zum Partner aufstieg. Erfolgreich angewendet hat er es bereits beim Ferienflieger Condor, bei dem er neben Vorstandschef Ralf Teckentrup arbeitete.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt

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