Air Berlin übernimmt DBA
Der umtriebige Herr Wöhrl

Einen Euro hat Hans Rudolf Wöhrl 2003 für die Deutsche BA bezahlt. Die Mutter British Airways war froh, ihre Problemtochter loszuwerden. Nun, drei Jahre später, bezahlt Air Berlin einen Millionenbetrag für die Fluglinie, die inzwischen DBA heißt. Offensichtlich ein gutes Geschäft für den gelernten Einzelhandelskaufmann, der schon seit Jahren die Luftfahrtbranche durcheinander wirbelt.

HB MÜNCHEN. Als der heute 58-Jährige die Deutsche BA übernahm, trautem ihm nur wenige die Sanierung der chronisch defizitären Fluggesellschaft zu. Nun konnte der geschäftstüchtige Franke nach der Übernahme durch Air Berlin in einem Brief an die Mitarbeiter stolz Bilanz ziehen: „Wir haben in drei Jahren aus einem konkursreifen ein gesundes, starkes Luftfahrtunternehmen gemacht.“

Der komplette Ausstieg bei seinem Kind DBA falle Wöhrl bestimmt nicht leicht, heißt es in seinem Umfeld. „Das sieht er sicher mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“ Allerdings habe er immer gewusst, dass manche Engagements nur für eine bestimmte Zeit sinnvoll seien. Wöhrl selbst hat immer wieder betont, dass er sich in erster Linie als Unternehmer sieht. „Am Fliegen hängt zwar mein Herz, aber das Unternehmertum liegt mir im Blut“, hatte er gesagt.

Zudem wird ihm der Abschied versüßt. Zwar schoss er neben dem 1 Euro Kaufpreis noch einmal bei einer Kapitalerhöhung nach, seinen riskanten Einsatz hat er aber mit dem Verkauf an Air Berlin vervielfacht. Wie viel Geld er genau gemacht hat, ist unbekannt. Die Vertragsparteien hüllten sich ob des Kaufpreises in Schweigen und sprachen nur von einem „zweistelligen Millionenbetrag“.

Die Wahl des Partners Air Berlin sagt einiges über Wöhrl aus. Die Entscheidung sei leichter gefallen, weil Air Berlin nicht an einen Großkonzern angegliedert, sondern unabhängig und von einer starken Unternehmerpersönlichkeit geführt sei, schrieb Wöhrl an die Mitarbeiter. Air Berlin habe der DBA in schwieriger Zeit geholfen – als die Münchner noch zu viele Piloten auf der Lohnliste hatten, wurden diese an Air Berlin ausgeliehen.

Wöhrl überrascht immer wieder

In den vergangenen Jahren war Wöhrl immer wieder für Überraschungen gut. Zunächst verkündete er eine Partnerschaft mit dem Konkurrenten Gexx, dem Billigflieger-Zweig der Fluglinie Germania. Der inzwischen verstorbene Germania-Chef Hinrich Bischoff hielt zeitweise sogar die Mehrheit an der DBA. Doch das Bündnis von Bischoff und Wöhrl zerbrach, die Gexx-Strecken behielt die DBA jedoch. Im vergangenen Herbst gaben dann Air Berlin und DBA eine erste Zusammenarbeit bei den Buchungen bekannt. Schon kurz darauf deutete Wöhrl an, wohin die Reise gehen könnte: Ein Einstieg von Air Berlin bei der DBA sei „aktuell noch nicht geplant“. Der Satz geriet in Vergessenheit, als Wöhrl im Februar auch noch die Mehrheit an der LTU übernahm. Nun war erklärtes Ziel, die beiden Gesellschaften eng zu verzahnen: Die LTU für die Langstrecke, die DBA für die Kurz- und Mittelstrecke. Die Vereinbarung ist jetzt nichtig.

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