Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta: Zielstrebiger Korse

Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta
Zielstrebiger Korse

Air-France-Chef Jean-Cyril Spinetta arbeitet unbeirrt daran, Alitalia zu übernehmen. Jetzt verhandelt er in Rom die Einzelheiten. Doch viele Anleger fürchten, der langjährige Konzernchef könnte mit der gewagten Übernahme sein Lebenswerk zerstören.

PARIS. Seine Stimme bleibt monoton. Sein schmales Gesicht mit der randlosen Brille verzieht keine Miene. „Wir sind mit Alitalia in eine erste Phase von Sondierungsgesprächen eingetreten“, verkündet Jean-Cyril Spinetta, Chef von Air France-KLM, ganz lapidar. Anleger reagieren entsetzt und schicken die Aktie der weltgrößten Fluggesellschaft auf Sturzflug: 6,54 Prozent verliert das Papier an nur einem Tag.

Das war am 23. November 2006. Seitdem ist viel passiert. Die Sondierungsgespräche sind längst vorbei. Jetzt verhandelt Spinetta konkret mit der italienischen Regierung, um die Mehrheit an der maroden italienischen Staatslinie zu übernehmen. Gestern sprach er in Rom mit Alitalia und Regierungsvertretern. Wenn er den Zuschlag erhalte, werde er eine ansehnliche Kapitalerhöhung in die Wege leiten, sagte er anschließend. Und bestätigte, dass 1 700 Jobs bei Alitalia wegfallen sollen. Die offizielle achtwöchige Verhandlungsperiode könne schon Ende der Woche beginnen.

Die Air-France-Aktie hat seit diesem November 2006 rund einen Viertel ihres Wertes verloren. Viele Anleger fürchten nach wie vor, der langjährige Air-France-Chef könnte mit der gewagten Alitalia-Übernahme sein Lebenswerk zerstören: die Sanierung der französischen Airline und die erfolgreiche Fusion mit KLM.

Skeptische Märkte, schlechte Zahlen, aufmüpfiges Personal – für den 64-Jährigen ein gewohntes Umfeld. Als er 1997 die Nachfolge des charismatischen Patrons Christian Blanc bei Air France übernimmt, sind die Ergebnisse schlecht. Das Personal ist dem als blassen Apparatschik verschrienen Spinetta feindlich gesinnt. Mit Ausdauer und Gespür für den sozialen Dialog schafft er die Wende – unter „Spi“, wie ihn Freunde nennen, macht Air France nie Verluste.

2003 wagt der zurückhaltend auftretende Air-France-Chef seine Megafusion: Er übernimmt die niederländische KLM. Analysten rümpfen zuerst die Nase. Denn er verpflichtet sich, fünf Jahre lang niemanden zu entlassen. Heute gilt sein Fusionsmodell – eine Holding, zwei Fluggesellschaften – als wegweisend.

Branchenexperten zollen dem Konzernchef, der eigentlich Sportjournalist werden wollte, daher Respekt: Die Fusion ist für EADS-Chef Louis Gallois die „beste industrielle Umsetzung der vergangenen vierzig Jahre“. Beide Manager kennen sich aus den frühen siebziger Jahren, als sie gemeinsam die Schulbank der Eliteschmiede ENA drückten. Und Cédric Pastour, Ex-Chef der XL Airways, hält Spinetta für einen „Visionär der Luftfahrtbranche“.

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