Airbus-Chef gewinnt Machtkampf gegen Philippe Camus
Noel Forgeard wird EADS-Co-Chef

Nach wochenlangem Kampf hat der Airbus-Chef Noel Forgeard die Unterstützung des EADS-Anteilseigners Lagardere gewonnen und die Besetzung der Spitze des Luft- und Raumfahrtkonzerns für sich entschieden. Mit dem Rückzug seines Vorgängers Philippe Camus dürfte ein öffentlicher Streit beendet sein, der zeitweise die Stabilität des multinationalen Unternehmens gefährdete.

HB PARIS/MÜNCHEN. Nach wochenlangem Schweigen äußerte sich Arnaud Lagardere, dessen Anteil an der EADS bei rund 15 Prozent liegt, in einem Zeitungsinterview. „Ich habe diese Entscheidung vor langer Zeit getroffen und ich habe sie Frankreichs damaligem Finanzminister, Nicolas Sarkozy, mitgeteilt“, sagte Lagardere „Le Figaro“ (Freitagausgabe). „Die Wahl ist ganz einfach. Philippe Camus wird zurück zu Lagardere gehen, und ich werde in Übereinstimmung mit den französischen Anteilseignern Noel Forgeard nominieren, Philippe Camus als Co-Chef der EADS zu ersetzen.“ Ein EADS-Sprecher lehnte eine Stellungnahme ab und verwies darauf, dass die Besetzung des Vorstands Angelegenheit der Anteilseigner sei. Camus selbst bestätigte seinen Rückzug. EADS war zu Jahrtausendwende im Zuge der Konsolidierung der Luft- und Raumfahrtbranche in Europa entstanden und verfügt traditionell über eine deutsch-französische Doppelspitze. Diese Konstruktion sollte die Sorge beider Länder vor einem Machtverlust zerstreuen. Auf deutscher Seite ist DaimlerChrysler mit 30 Prozent Anteilseigner. Auch der französische Staat ist mit 15 Prozent beteiligt.

Forgeard drängt seit längerem mit Unterstützung der Regierung in Paris auf den EADS-Chefsessel und hatte sogar versucht, die Doppelspitze abzuschaffen. Dies war aber am Veto DaimlerChryslers gescheitert. Der Stuttgarter Konzern wollte sich am Freitag nicht zu dem Bericht über die Nominierung Forgeards äußern. Airbus ist der Hauptumsatz- und Gewinnbringer des gesamten Konzerns.

Die Verträge der beiden EADS-Co-Chefs Camus und Rainer Hertrich laufen im Sommer 2005 aus. Hertrich hatte vor kurzem erklärt, für eine zweite Amtszeit nicht zur Verfügung zu stehen und dies mit persönlichen Ursachen begründet. Das Verhältnis zwischen Forgeard und Hertrich gilt aber als äußerst angespannt - womöglich wollte der Deutsche im Vorfeld mit seinem Rückzug einer konfliktträchtigen Zusammenarbeit mit dem Camus-Nachfolger aus dem Weg gehen. Die deutsche Seite schickt nun den bisherigen Chef der Verteidigungssparte, Thomas Enders, ins Rennen. Camus bestätigte indes seinen Rückzug, attackierte seinen Nachfolger indirekt aber heftig. „Ich bin nicht der Aggressor“, sagte er der Vorabmeldung eines Magazins zufolge. „Ich konzentriere meine gesamte Energie auf die EADS. Ich registriere aber einen Angriff und Manipulation.“ In einer Presseerklärung bestätigte er zugleich am Freitag seinen Rückzug. „Ich habe mich entschieden, Arnaud Lagarderes Vorschlag zu akzeptieren, wieder vollständig zum Lagardere-Konzern zurückzukehren.“

Unterdessen hat die DaimlerChrysler AG, Stuttgart, Thomas Enders formal als Co-CEO der European Aeronautic Defence and Space Co, Amsterdam, vorgeschlagen. Der Vorstand habe den Chairman des EADS-Boards, Manfred Bischoff, beauftragt, Enders als einen der beiden Co-CEO zu vorzuschlagen, teilte der Automobilkonzern am Freitag mit. DaimlerChrysler hält 30,28% an dem europäischen Luft- und Raumfahrtunternehmen.

Der bisherige deutsche Co-CEO Rainer Hertrich hatte vor kurzem mitgeteilt, dass er nach dem Auslaufen seines Vertrags im Sommer 2005 nicht mehr für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stehe. Gleichzeitig war Enders als sein Nachfolger bestimmt worden. Enders leitet derzeit die Verteidigungssparte der EADS.

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