Airport Berlin
Wiedersehen vor Gericht

Nach der geplatzten Eröffnung des Hauptstadt-Airports soll ein Schuldiger gefunden werden. Meinhard von Gerkan, Planer des Flughafens, wird von den Betreibern verklagt. Beim Prozess trifft er auf einen alten Bekannten.
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DüsseldorfMit einem Flughafen hat seine Karriere einst begonnen. Meinhard von Gerkan war gerade 30 Jahre und kam frisch von der Universität, als er den Architekturwettbewerb für den Bau des Flughafens in Berlin-Tegel gewann. Das Projekt brachte ihm und seinem Partner Volkwin Marg international Ruhm und Aufträge ein. Ausgerechnet ein Berliner Flughafen ist es nun aber, der dem Stararchitekten mit 77 Jahren das Leben schwer macht.

So reichten die Betreiber des Berliner Flughafens, nachdem sie sich mit der geplatzten Eröffnung des neuen Hauptstadt-Airports gründlich blamiert hatten, letzte Woche eine Feststellungsklage gegen ihre frühere Planungsgesellschaft ein. Zu dieser gehört auch GMP, das Büro von Gerkan. Das Landgericht Potsdam soll nun klären, ob die Planer Fehler gemacht haben. Die Klage gilt als erster Schritt, Schadensersatzansprüche geltend zu machen.

Und der Stararchitekt? Er schweigt. „Die Klage wurde noch nicht zugestellt, wir haben keine Kenntnis dazu“, hieß es am Montag bei GMP. Für die Architekten steht nicht nur viel Geld auf dem Spiel, sondern vor allem ihr guter Ruf.

Gerkan, Marg und Partner sind mit über 500 Mitarbeitern und mit Hauptsitz an der Hamburger Elbchaussee eines der größten und renommiertesten deutschen Architektenbüros. GMP kann auf mehr als 470 Preise für Projekte in der ganzen Welt verweisen. Der Mitgründer Gerkan selbst, der in Riga geboren wurde und in Hamburg bei einer Pflegefamilie aufwuchs, gilt als Perfektionist. Die jetzt eingereichte Klage dürfte ihn besonders ärgern. Denn er trifft dabei auf einen alten Bekannten: Hartmut Mehdorn.

Er war es, der im Jahr 2006, damals noch als Chef der Deutschen Bahn, den Entwurf Gerkans für den Berliner Hauptbahnhof abänderte, um Zeit und Geld zu sparen. Der Architekt zürnte - und verklagte die Bahn. Der Streit endete mit einem Vergleich. Angeblich soll die Bahn acht Millionen Euro gezahlt haben, öffentlich genannt wurde die Zahl nie.

Nun ist es andersherum: Mehdorn ist inzwischen Chef von Air Berlin - und steckt indirekt hinter der Klage der Flughafenbetreiber gegen die Architekten um Gerkan. So hatte Mehdorn öffentlich angekündigt, dass er Geld sehen will für den Schaden, der der Fluggesellschaft durch die verspätete Eröffnung von Schönefeld entsteht. Der Adressat waren zwar die Berliner Flughäfen. Doch die halten sich nun an Gerkan.

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