Akademiker aus Asien

Gebildet, jung - und heiß umworben

Weil Deutschland die Akademiker ausgehen, blicken Firmen zunehmend auf die emporstrebenden Schwellenländer Indien und China. Dort wartet eine junge, gut ausgebildete und karrierehungrige Elite auf ihre Chance.
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Deutschland gehen die Akademiker aus. Immer mehr Firmen holen sich ihren Nachwuchs aus Indien und China. Quelle: dpa

Deutschland gehen die Akademiker aus. Immer mehr Firmen holen sich ihren Nachwuchs aus Indien und China.

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DüsseldorfMit so viel Resonanz auf die erste Stellenausschreibung des badischen Sanitärherstellers Hansgrohe in der „Times of India“ hatte im Schwarzwald keiner gerechnet: Binnen 24 Stunden waren online mehr als 3.500 Bewerbungen für die Position eines Personalmanagers eingegangen. „Auch nachdem wir gesiebt hatten, blieben immer noch 300 interessante Kandidaten übrig“, sagt Vertriebsleiter Nicholas Matten über seinen Versuchsballon.

Die internationale Personalsuche wird für deutsche Konzerne, aber auch für den Mittelstand immer wichtiger – aus mehreren Gründen. Zum einen, weil Wachstumsmärkte erschlossen werden wollen, allen voran Brasilien, Russland, Indien und China. Und dafür sind Experten aus vielen Bereichen gefragt: Marketing und Vertrieb, Finanzen und Verwaltung, aber auch Ingenieure und natürlich IT-Spezialisten.

Außerdem sind qualifizierte Kräfte in Deutschland bald Mangelware: Prognosen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge werden wegen des demografischen Wandels – weniger Kinder, mehr Senioren – 2025 im Vergleich zu heute fast 3,5 Millionen Erwerbstätige fehlen.

Besonders große Sorgen bereitet der Anteil der Hochqualifizierten – bislang Garant für Innovationen „Made in Germany“. Doch ihre Zahl ist seit fünf Jahrzehnten kaum gewachsen. Wie aus dem aktuellen OECD-Bildungsbericht hervorgeht, erwarb in Deutschland vor 50 Jahren knapp jeder fünfte junge Erwachsene einen Hoch- oder Fachschulabschluss beziehungsweise einen Meisterbrief. Aktuell liegt die Quote mit 25 Prozent nicht wesentlich höher.

Lag Deutschland einst im Mittelfeld jener 24 Länder, für die Daten vorhanden sind, so ist die Bundesrepublik inzwischen auf einen der untersten Plätze abgerutscht. Mit Besserung ist nicht zu rechnen – im Gegenteil. Setzen sich die Abschlussquoten der 25- bis 34-Jährigen fort, wird in Frankreich, Irland, Japan und Korea der Anteil der Hochgebildeten stärker ansteigen als in anderen OECD-Ländern. Deutschland indes wird weiter zurückfallen. „Der Fachkräftemangel ist die stärkste Bedrohung für Wohlstand und Wirtschaft auf mittlere Sicht“, sagt Arbeitsministerin Ursula von der Leyen.

Ein Arbeitgeber - 73 Nationen
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19 Kommentare zu "Akademiker aus Asien: Gebildet, jung - und heiß umworben"

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  • Immer mehr Personalberatungen spezialisieren sich auf Personal-Suche und Auswahl von Indien, u.a. http://www.mi-recruitment.de

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  • Herr N. aus Südkorea, 31 Jahre, Ingenieur, lebt seit 6 Jahren in Deutschland. Er ist beliebt bei seinem Arbeitgeber in Bayern und bei seinen Kollegen. Der unscheinbar wirkende Mann ist höflich, sehr kompetent, hilfsbereit und zuverlässig. Und er ist ehrgeizig. Was seine Umgebung nicht ahnt: Herr N. ist nicht nur Ingenieur. Er verkauft auch Daten von seinem Arbeitgeber an ein Unternehmen in Busan. Die Informationen, die er bereits geliefert hat, machen ihn nach seiner Rückkehr in die Heimat zu einem wohlhabenden Mann. Herr N. freut sich. Auch darüber, dass sein deutscher Arbeitgeber bald neue Akademiker aus seiner Heimat einstellen wird. Herr N. wird sich dann woanders bewerben, denn es gibt noch eine Menge für ihn zu tun. Von deutschen Unternehmen kann er noch viel "lernen". Ein Leben für die Infiltration. Ein Herz für Südkorea! Danke, Deutschland!

  • ich hab zur Zeit auch einen Kommilitonen aus Südkorea: Das ist ein Mensch, wie jeder andere auch! Man muss die Asiaten nicht übertrieben zu Übermenschen erklären wie Sie es tun.

    Das Bildung dort einen hohen Stellenwert hat, bleibt davon unberührt - ändert aber nichts daran, dass in vielen Ländern - im Gegensatz zu Deutschland - keine "Bildungsinflation" gefürchtet wird!

    wer sich ständig immer nur darüber beklagt, es gebe eine "Bildungsinflation", zu viele machen Abitur, zu viele studieren...etc.pp. wird sicherlich eines Tages wesentlich schlechter ausgebildet darstehen, als Länder, in denen die Ausbildung des Bürgers permanent vorangetrieben und gefördert wird. eine Bildungsexpansion ist andernorts eben erwünscht.

    Korea hat 2 Arten von Secondaryschool - beide bieten auch Allgemeinbildung als Basis tertiärer Studiengänge. Selbst in der beruflichen Highschool (40% Allgemeinbildung) studieren die meisten Absolventen danach tertiär weiter --

  • Also wenn ihr Freund als Ingenieur nur Zeitarbeitsvertraege bekommt, dann macht er definitiv etwas falsch oder hat fehlende Qualifikationen. Derzeit gibt es so viele Stellen wie nie zuvor - es ist nur schwer die passenden Kandidaten zu finden.

  • Die bisherigen Kommentare zeigen wohl eindeutig, dass keiner der sich hier Beklagenden Erfahrungen in den Ländern selber gemacht hat.

    Ich habe 4 Monate in Korea verbracht und habe kennengelernt, was es bedeutet ein Student in einem Land zu sein, welches regelmäßig unter den Top 3 im Pisatest zu finden ist.

    Es herrscht eine Wissbergierigkeit, Motivation und harter Drill, den man in unseren Breiten vergeblich sucht. Hier müssen Kinder schon fast in die Schule geprügelt werden, weil sie kein Bock darauf haben. Die Arbeitsmotivation lässt vermehrt in diesem Land zu wünschen übrig. Auch die steigende Zahl an Hauptschulabgänger und Schulabbrechern bestätigen das.

    Man muss sich mal fragen, wie die schnelle wirtschaftliche Entwicklung in vielen asiatischen Ländern zu erklären ist. Hier das das Wissen aus dem Westen perfektioniert und entsprechend angewandt.

    Solche Länder sind dabei uns zu überholen, bzw. haben dies schon in vielen Bereichen geschafft. Wir sind nichts anderes als ignorante Europäer die doch tatsächlich so naiv sind zu glauben, dass wir in 10 Jahren diesen Ländern immer noch überlegen sein werden.

    Wacht auf! die Zeiten sind längst vorbei!

  • Diese Großunternehmerpropaganda ist nicht mehr zu ertragen.
    Nahezu jeden Tag kommt jemand aus Politik und Wirtschaft und erzählt den Leuten was von Mangel an jenen und Mangel an diesen Fachleuten, ...... bla, bla,blaaaaa!
    Ich kenne viele gut ausgebildete Fachkräfte mit Berufserfahrung die hier in Baden-Württemberg auf Grund ihres hohen Alters (35-40) keine Festanstellung finden.
    Wenn ich Samstags die Zeitung aufschlage dann sind die Stellenangebote eher dünn gesäät (abgesehen von den Zeitarbeitsfirmen, den Zuhältern der Unternehmer. Aber auch dann wird meistens der ewige (billige) Praktikant vorgezogen und dieser schafft es kaum noch in eine Festanstellung, denn der nächste Praktikant wird kommen.
    Wie kann man selbst bei geschönten 3 Mio. Arbeistlosen von Fachkräftemangel sprechen und schreiben? Sind alle diese Menschen dumm oder faul?
    Dies alles dient doch nur weiter sinkenden Löhnen in Deutschland, damit die GIERIGEN noch reicher werden.

  • @student32

    NATÜRLICH will die BRD nicht so viele Akademiker haben. Ist dir JETZT ERST aufgefallen, dass die BRD das Bildungsniveau vieler Bürger mit Absicht niedriger hält??? Allgemeinbildung soll in der BRD etwas Exklusives sein, dass nicht jeder haben soll - deshalb ist die Sekundarstufe aufgesplittet in beruflich ohne Allgemeinbildung und Schulabschluss und exklusiv resrviert allgemeinbildend. Du bist ja ein Blitzmerker - in den ersten Uni-Semestern werden nur die Restbestände hinausbefördert, der eigentliche Ausschluss von Bildung findet viel früher statt. In manchen Schulen in der BRD wird man sogar systematisch bildungsferner gemacht.

    Das ist kein Geheimnis -- die Schweiz hat ebenfalls das Problem, dass aus den Firmen die Schweizer abgedrängt werden in niedrigere Positionen. Der Grund dafür ist: Das Schulsystem und Ausbildungssystem!

    wenn ausländische Firmen aus den USA etc. in der Schweiz eine Firma haben nimmt sie eben nicht die beruflich ausgebildeten aus der Schweiz, sondern für höherere Positionen die Akademiker richtiger Hochschulen - davon hat die Schweiz wegen ihrem mehrgliedrigen Schulsystem aber wenig. So besetzen immer weniger Schweizer die höheren Positionen, die stattdessen von Absolventen anderer Länder besetzt werden, diese Diskussion gab es in der BAZ vor kurzem in Leserkomentaren.

    willst du ein weiteres "Geheimnis" erfahren: das Bildungsniveau der Deutschen gilt international eben als nicht besonders hoch - wer so viel Wert darauf legt, dass Allgemeinbildung was Exklusives sein soll, muss sich halt nicht drüber wundern, wenn irgendwann immer weniger genug davon mitbekommen.

    momentan ist hier jeder 5. ungelernt - und die meisten enden ihre Bildungsmaßnahmen mit maximal Highschool beruflich -also nur mit Sekundarstufe 2-Abschluss, wo andere eben noch weiterlernen tertiär - aber die BRD hält sich für gut ausgebildet.

    nicht davon irritieren lassen, das kürzere Ausbildung mehr Bildung sein soll.

  • Jetzt reicht es aber ein für alle Mal! Zum allerletzten Mal: der GRUND warum in anderen Ländern die Akademikerquote so hoch ist und ansteigt, ist der, dass die Ausbildungen in DE ANDERSWO mit TERTIÄRE Bildungsgänge sind!! Ist das sooo schwer zu begreifen?? DAS sind die fehlenden Akademiker! Der Akademikermangel sind die Krankenschwestern, die Zahntechniker, ja sogar die Handwerker! Im Großraum Shanghai studieren nahezu 70% eines Jahrgangs, aber die studieren NICHT nur die in DE als akademisch deklarierten Fächer! Das sind nicht alles BWLer, Ingenieure, Historiker und Biologen. So gesehen ist die akademische Bildung in Allerherrenländer der Welt eben breiter gestreut! Sie betriff immer mehr Segmente, in Korea ist ja sogar das Handwerk tertiär als Studium organisiert - ich bitte doch darum: etwas interkulturelle Kompetenz sollte man sich bitte angewöhnen! Damit das endlich mal begriffen wird, was Higher Education international ist und was in der BRD darunter verstanden wird. Sind wir irgendwann soweit???

    und nein - ihr habt auch keinen "Akademikermangel" bei Biologen und Soziologen, es fehlen euch die akademischen Mechaniker, Krankenschwestern und Zahntechniker - die machen anderswo ihre Sekundarstufe in der Highschool, nicht ohne Bildung frühzeitig im Beruf.

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