Aktie bricht ein
Süss-Microtec-Chef Richter nimmt seinen Hut

Wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Geschäftspolitik ist der Vorstandschef des Münchener Halbleiterausrüsters Süss Microtec, Franz Richter, überraschend abgetreten. Die Aktie der im TecDax gelisteten Gesellschaft brach nach der Mitteilung zeitweise um bis zu 15 Prozent ein.

HB MÜNCHEN. „Auf Grund unterschiedlicher Auffassungen über die Geschäftspolitik scheidet Herr Dr. Franz Richter mit heutiger Wirkung aus dem Vorstand aus“, teilte Süss in München lediglich mit. Nachfolger werde Stefan Schneidewind, im Vorstand bislang zuständig für Technik und Produktion. Der Manager, seit 15 Jahren im Unternehmen, war zum 1. September erst in das oberste Führungsgremium berufen worden. Süss nannte keine konkreten Gründe. Eine Sprecherin stellte klar, Hintergrund seien weder Unregelmäßigkeiten im Geschäft noch illegale Machenschaften wie etwa Bilanzfälschung. Auch die vor kurzem vereinbarte Technologie-Partnerschaft mit IBM laufe problemlos.

Richter, der selbst rund 2,5 % an Süss hält, gilt als eine der herausragenden Persönlichkeiten deutscher Halbleiterfirmen und als die zentrale Figur bei dem früher am Neuen Markt gelisteten Unternehmen. „Der Laden steht und fällt mit Richter“, sagte ein Experte. „Für mich war Dr. Richter eine wichtige Person bei Süss“, sagte Alexandra Hauser, Analystin bei der Landesbank Baden-Württemberg, die die Aktie mit „Halten“ einstuft. „Für die Papiere dürfte damit zunächst eine große Unsicherheit bestehen.“

Süss hatte im dritten Quartal 2004 wie geplant operativ die Gewinnschwelle erreicht, allerdings wegen anstehender Lasten aus der Restrukturierung sowie des schwachen Dollar-Kurses Risiken für die Ziele im Gesamtjahr eingeräumt. „Die Prognose für das Gesamtjahr 2004 mit einem Umsatz von zirka 115 bis 120 Mill. €, in dessen Bandbreite auch ein ausgeglichenes Ebit erzielt werden sollte, bleibt grundsätzlich bestehen“, hatte es Anfang November geheißen. „Jedoch weisen wir auf Grund der aktuellen Entwicklungen darauf hin, dass Sondereffekte, insbesondere aus dem deutlich abgeschwächten US-Dollar und aus der Restrukturierung, diese Prognose merklich belasten können.“

Im Sommer hatte Süss Kostensenkungen angekündigt, um so bis Ende 2006 das für den Eintritt in die Gewinnzone nötige Umsatzvolumen auf maximal 100 Mill. € von derzeit 115 bis 120 Mill. € zu senken. Die Halbleiterbranche, die in den vergangenen anderthalben Jahren kräftige Zuwächse verzeichnet hat, dürfte Analysten zufolge 2005 stagnieren oder womöglich sogar schrumpfen. Süss hatte vor diesem Hintergrund Mitte Oktober auch die Schließung eines Werks mit rund 50 Mitarbeitern bei Frankfurt angekündigt.

Die Süss-Aktie, die bereits vor der Nachricht am Nachmittag verloren hatte, brach unmittelbar danach deutlich ein. Etwa eine Stunde vor Ende des Xetra-Handels notierte das Papier immer noch mit 5,50 € um gut zehn Prozent im Minus.

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