Aktienhandelsskandal fordert sein erstes Opfer
NordLB-Vorstand Kösters muss gehen

Die missratenen Aktiengeschäfte der NordLB haben jetzt auch Konsequenzen auf Vorstandsebene. Aufsichtsratskreise der Bank bestätigten dem Handelsblatt, dass der für Financial Markets zuständige Vorstand, der 60-jährige Jürgen Kösters, auf der nächsten turnusmäßigen Sitzung sein Amt zur Verfügung stellen wird. Es gebe dazu noch keinen Tagesordnungspunkt, doch das werde sich kurzfristig ändern, hieß es. Die nächste Aufsichtsratssitzung ist am Mittwoch.

BERLIN. Der Druck auf das Management hat in der vergangenen Woche zugenommen. Bereits einen Tag nach der Aufsichtsratssitzung, am 3. April, müssen Vorstandschef Hannes Rehm und der Aufsichtsratsvorsitzende, Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), dem Haushaltsausschuss des niedersächsischen Landtags Rede und Antwort zum Aktienhandelsskandal stehen. Das Land Niedersachsen hält gemeinsam mit Sachsen-Anhalt die Hälfte der Anteile. Die Finanzaufsicht BaFin hat bereits angekündigt, die getätigten Aktiengeschäfte durch eine Sonderprüfung näher unter die Lupe zu nehmen.

Die Sonderprüfung gehört im Arsenal der Bankenaufsicht zu den schwereren Geschützen. Mittels der Prüfung will die BaFin untersuchen, ob es organisatorische Mängel gegeben habe, bei den Aktiengeschäften alles ordnungsgemäß verlaufen sei und welche Rolle das Risikomanagement spielte.

Die NordLB hält nach eigenen Angaben für einen Kunden umfangreiche Aktienpakete unter anderem von Balda (Handyausrüster), Euromicron (IT), Curanum (Pflegeheime) und Remote MDX (elektronische Fußfesseln). Die Beteiligungen liegen zwischen 13 Prozent (Curanum) und 24 Prozent (Remote MDX). Der Kunde nimmt die Anteile aber nicht ab, wohl auch, weil die Beteiligungen seit Erwerb kräftig an Wert verloren haben.

Nun sitzt die Bank auf den Paketen und steckt in einer misslichen Lage, weil Investoren gegen sie spekulieren können. Die NordLB machte zu der Identität des Kunden keine Angaben. Finanzkreisen zufolge handelt es sich um den Investor Vatas, der dem südafrikanischen Unternehmer Robert Hersov zuzurechnen sei. Der Geschäftsführer der in Berlin ansässigen Vatas Holding ist Lars Windhorst. Der Jungunternehmer machte seinerzeit Schlagzeilen, als er den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl auf Auslandsreisen begleiten durfte, was ansonsten nur handverlesenen Managern möglich war. Mehrere Unternehmen Windhorsts gingen in der Folgezeit pleite.

Die NordLB hatte den zuständigen Aktienhändler wegen interner Regelverstöße und Kompetenzüberschreitungen fristlos entlassen. Auch von seinem Vorgesetzten trennte man sich. Das hat offensichtlich nicht mehr gereicht. Nun übernimmt Kösters die Gesamtverantwortung für das Desaster, für das die NordLB bislang Rückstellungen in Höhe von 82,5 Mill. Euro gebildet hat.

Kösters hätte sich wohl nicht träumen lassen, dass er wegen merkwürdiger Aktiengeschäfte einmal Konsequenzen ziehen muss. In seiner 13jährigen Vorstandstätigkeit hat sich der christlich engagierte NordLB-Manager großes Renommee in der Landesbankenszene erarbeitet. In Personalunion ist Kösters auch der Vorsitzende des Wertpapierausschusses des Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschland. Wann Kösters ersetzt wird, steht noch nicht fest.

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