Aktienrückkäufe Die US-Steuerreform wirkt – aber nicht wie von Trump erhofft

Die US-Konzerne holen wegen Trumps Steuerreform Milliarden aus dem Ausland zurück. Doch was sie mit dem Geld anstellen, ist nicht im Sinn des US-Präsidenten.
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Die US-Steuerreform wirkt – aber nicht wie Donald Trump hofft Quelle: AP
Apple-CEO Tim Cook und Donald Trump

US-Konzerne wie Apple schütten die Auslandsmilliarden an Aktionäre aus – anstatt sie in den USA zu investieren.

(Foto: AP)

DüsseldorfDonald Trump hat es im Wahlkampf versprochen – und er hat geliefert: Die vom US-Präsidenten initiierte und kurz vor Weihnachten unterzeichnete Steuerreform bewirkt, was Befürworter sich von ihr versprechen: Amerikanische Firmen, die seit Jahren im Ausland viele Milliarden Dollar parken, um sie im Heimatmarkt nicht versteuern zu müssen, transferieren nun die Gelder zurück.

Jüngstes Beispiel ist der Netzwerkausrüster Cisco. Das in San Jose beheimatete Unternehmen kündigte an, 67 Milliarden Dollar in die USA zurückzuführen.

Aber: Anders als Trump und von den Republikanern erhofft, fließt das Geld nicht in die Forschung und auch nicht in neue Standorte samt neuen Mitarbeitern. Das ist eigentlich die Absicht. Denn die Steuerreform steht unter dem großen Vorhaben „Make America Great Again!“.

Die Idee: Weniger Steuern für Unternehmen und Verbraucher treiben den Konsum und die Investitionen an, um so das Wirtschaftswachstum der größten Volkswirtschaft weiter anzukurbeln.

Doch wie es scheint, profitieren einseitig die Finanzmärkte, denn ein Großteil der gesparten Steuern fließt an die Aktionäre. So sollen bei Cisco 25 Milliarden Dollar in den Rückkauf – und anschließende Vernichtung – eigener Aktien fließen.

Weniger Aktien verknappen das Angebot und treiben so den Kurs. Obendrein erhöht sich künftig der Gewinn je Aktie, weil er sich auf weniger Anteilsscheine verteilt. Das lässt die Bilanzen attraktiver erscheinen. Auch verteilt sich die Ausschüttung auf weniger Aktien, sodass Aktionäre mehr Dividende pro Aktie bekommen.

Bei Cisco sorgte die US-Steuerreform im vergangenen Quartal erst einmal für rote Zahlen. Für die im Ausland angesammelten Gewinne verbuchte der Konzern eine einmalige Abgabe von 11,1 Milliarden Dollar.

Dadurch ergab sich für das Ende Januar abgeschlossene zweite Geschäftsquartal ein Verlust von rund 8,8 Milliarden Dollar. Das operative Ergebnis legte unterdessen um sechs Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar zu.

Bisher mussten auf die Auslandsgewinne erst Steuern bezahlt werden, wenn sie in die USA überwiesen wurden. Angesichts des bisherigen hohen Steuersatzes von 35 Prozent machten viele Unternehmen von der Möglichkeit Gebrauch, das Geld im Ausland zu lassen.

Nach der Reform wird auf die Reserven eine sehr viel geringere Abgabe von bis zu 15 Prozent fällig. Cisco hatte zuletzt Geldreserven von rund 74 Milliarden Dollar, mehr als 70 Milliarden davon befanden sich außerhalb der USA.

Der Kabelnetzbetreiber Comcast kündigte bereits an, dass im Jahr 2018 Aktienrückkäufe im Volumen von mindestens fünf Milliarden Dollar geplant sind. Die weltweit höchsten Cash-Reserven hortet Apple. Der iPhone-Riese will einen Großteil seines Auslands-Geldbergs von rund 250 Milliarden Dollar ebenfalls in die USA bringen.

Auch Apple deutete bereits an, großzügig an die Aktionäre auszuschütten – vor allem in Form von Aktienrückkäufen. Einzelheiten will Konzernchef Tim Cook mit Vorlagen der Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal in einigen Wochen bekanntgeben.

Viele weitere US-Konzerne werden sich in den kommenden Monaten mit Aktienrückkäufen bei ihren Aktionären beliebt machen – das ist die Überzeugung von Experten. So empfiehlt Deutsche-Bank-Analyst Lloyd Walmsley die Aktien des Online-Auktionshauses Ebay zum Kauf und verweist darauf, dass in den kommenden Quartalen Aktienrückkäufe einen zunehmend wichtigeren Bestandteil der Investment-Story ausmachen dürften. Die Steuerreform könnte im Ausland gebundenes Kapital von mehr als acht Milliarden Dollar verfügbar machen.

Der Trend zeigt mittlerweile historische Parallelen: Als in den 1980er-Jahren US-Präsident Ronald Reagan die bis dato größte Steuerreform durch den Kongress brachte, setzte der erste Aktienrückkaufboom ein.

Auch damals hatte die Regierung den Konzernen ermöglicht, im Ausland gehortete Barreserven steuergünstig ins Heimatland zurückzuholen. Die Folge: Viele Konzerne kauften eigene Anteilsscheine zurück, Anleger reagierten mit Aktienkäufen – der Börsenboom verlängerte sich um mehrere Jahre, ehe der Dow Jones im Oktober 1987 an nur einem Tag knapp ein Viertel seines Wertes verlor – der größte Tagesverlust in der langen amerikanischen Börsengeschichte.

Trumps jüngste 1,5-Billionen-Dollar-Entlastung für Unternehmen und Verbraucher ist die größte Reform seit Ronald Reagan. Die Regierungsinitiative kommt in einer Zeit, in der die Böse bereits seit neun Jahren boomt. Wieder scheint sich die Hausse zu verlängern, weil Unternehmen aufgrund einer Steuerreform große Aktienrückkaufprogramme auflegen und so die Aktionäre beglücken.

Aktuell horten die US-Unternehmen mehr als eine Billion Dollar im Ausland – so viel wie noch nie. Cisco, Apple & Co nähren nun Spekulationen, dass sich die Geschichte wiederholt.

Die teuersten Unternehmen der Welt
Platz 87: BASF, 91 Milliarden Euro
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Der größte Chemiekonzern der Welt ist unter den reichsten Konzernen keine große Nummer. Gerade mal für Platz 81 reicht es unter den wertvollsten Unternehmen weltweit. Die Deutsche Telekom dagegen ist nicht mehr unter den Top 100 vertreten.

Quelle: PwC/dpa

Platz 59: Bayer, 95 Milliarden Dollar
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Der Abstand europäischer Konzerne zu den dominierenden US-Konzernen wird zudem nicht etwa kleiner – er wächst sogar. Nur noch 22 der Top-100-Unternehmen sind noch aus Europa – 2016 waren es noch zwei mehr. Eines dieser Unternehmen ist der Chemiekonzern Bayer, derzeit im Begriff, sich durch eine Fusion mit dem umstrittenen Saatguthersteller Monsanto deutlich zu vergrößern.

Platz 58: Siemens, 117 Milliarden Dollar
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Der Industriekonzern liegt einen Platz und einige Milliarden vor Bayer. Im Jahr der Finanzkrise, 2008, lagen auch die Europäer mit 41 Konzernen unter den 100 wertvollsten noch klar vor den USA, die 35 Mega-Firmen beisteuerten. Nach Einschätzung von Klaus-Peter Gushurst, Mitglied der Geschäftsführung der Beratergesellschaft PwC in Deutschland, hat sich „Europa nie ganz von der Finanzkrise erholt“.

Platz 56: SAP, 121 Milliarden Dollar
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Der weltgrößte Softwarehersteller außerhalb der USA ist der Primus unter den deutschen Mega-Unternehmen – und doch weit entfernt von den Spitzenpositionen insgesamt.

Platz 10: Wells Fargo, 279 Milliarden Dollar
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Die Geschichte des Finanzdienstleisters reicht bis ins Jahr 1852 zurück, wo die Wells Fargo Company mit ihren Postkutschen Wild-West-Geschichte schrieb. Das als systemrelevant eingestufte Geldhaus hat auch heute zwei Verfolger hinter sich: Die chinesischen Internetriese Tencent und Alibaba auf Platz elf und zwölf lauern auf den Angriff auf die Top 10.

Platz 9: JP Morgan Chase, 314 Milliarden Euro
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Auf Platz 9: Die größte Bank der Welt, JP Morgan Chase. Die New Yorker konnten ihre Spitzenpositionen bei den Geldhäusern in diesem Jahr sogar noch ausbauen.

Platz 8: Johnson & Johnson, 338 Milliarden Dollar
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Der Pharmazie- und Konsumgüterhersteller ist für seine Aktionäre ein beständiger Quell der Freude: Seit 55 Jahren erhöht das Unternehmen jedes Jahr seine Dividende. Derzeit steckt der Konzern, der die Finanzkrise bemerkenswert gut bewältigte, in der 30 Milliarden teuren Übernahme der Schweizer Arzneifirma Actelion.

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6 Kommentare zu "Aktienrückkäufe: Die US-Steuerreform wirkt – aber nicht wie von Trump erhofft"

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  • Das Geld ist zurück in den USA und wird versteuert, das war der Sinn, was Herr Trump im Sinn hat, wissen nur die Medien.

  • Welch ein Wunder? Niemand hätte darauf kommen können.
    Unternehmen fühlen sich zuerst den Aktionären verpflichtet.

  • Das ist ein sehr guter Artikel.

    "Die Idee: Weniger Steuern für Unternehmen und Verbraucher treiben den Konsum und die Investitionen an, um so das Wirtschaftswachstum der größten Volkswirtschaft weiter anzukurbeln. (...)
    Trumps jüngste 1,5-Billionen-Dollar-Entlastung für Unternehmen und Verbraucher ist die größte Reform seit Ronald Reagan."

    Trump versucht hier ein Revival der "Reaganomics" durch ein "Drehen" an der Laffer-Kurve. Wie funktioniert das ökonomisch?
    "Wird der Steuersatz, ausgehend von einem Satz von null, sukzessive erhöht, so steigen zunächst auch die Steuereinnahmen. Zwar gibt es einen Steuerwiderstand und die Besteuerten versuchen, der Steuer auszuweichen, aber die sinkende Besteuerungsgrundlage wird durch die Erhöhung des Steuersatzes überkompensiert.
    Bei einem Steuersatz von 100 % ist die Besteuerungsgrundlage Null und damit das Steueraufkommen auch Null. Wird der Steuersatz gesenkt, steigt die Besteuerungsgrundlage und damit das Steueraufkommen."
    https://de.wikipedia.org/wiki/Laffer-Kurve
    Einige anarchokapitalistische Ökonomen sehen den Scheitelpunkt der Laffer-Kurve auch als maximal mögliche "Raublast" des Staates an.
    So weit, so gut - aber Reagan war aus ökonomischer Sicht "ambivalent": damals hatte nämlich im Kino "Star Wars" Hochkonjunktur, und Ronnie war begeistert und sagte sich: "Sowas will ich auch!" Denn er hatte sich auch in den Kopf gesetzt, den Kommunismus zu Fall zu bringen, indem er die Sowjetunion totrüstete. Und für sein gigantisches SDI-("Star-Wars"-)Rüstungsprogramm benötigte Ronnie richtig viel Kohle. Der amerikanische Steuerzahler hätte ihm allerdings gewaltig etwas gehustet, denn den wollte er ja entlasten. Also ließ Ronnie die Kohle für das SDI-Programm von "Maestro" Alan Greenspan drucken - und es kam in der Folge zu einem heftigen Haushaltsdefizit in den USA.
    Trump möchte jedoch die Militär- und Rüstungsausgaben auch nicht senken. Dann droht ihm allerdings das Gleiche wie Reagan.

  • Herr Holger Narrog 16.02.2018, 10:52 Uhr

    Wenn die Manager daran gemessen und bezahlt werden, wie hoch der Aktienkurs ist, tja, dann hat man eben diese Effekte.
    Auch eine Fehlentwicklung bei den Managergehältern.
    Diese Gehälter sollten sich ausschließlich an Gewinn und Innovation/Zukunftsfähigkeit orientieren. Ansonsten sind sie zu 80% überflüssig.

  • Wenn eine Firma in ihrer angestammten Branche keinen sinnvollen Investitionsbedarf hat, kann sie entweder das Geld für Unsinn verwenden, Bsp. Daimler hat sich mit seinen Cash Reserven in den 80er Jahren unprofitable Firmen wie AEG gekauft, oder dieses Geld an den Anteilseigner ausschütten. Der Anteilseigner und Dividendenbezieher kann dieses Geld dann wiederum sinnvoll in Branchen mit Kapitalbedarf investieren.

    Die aktuelle Hauptherausforderung ist, dass nach vielen Jahren der exessiven Geldschöpfung der Notenbank die meisten Branchen eher überinvestiert sind.

    Somit ist es wirtschaftlich nicht falsch wenn die Eigentümer dieses Geld für Konsumzwecke nutzen.

    Offensichtlich sucht man aus jedem Sachverhalt einen Anti - Trump zu generieren.

  • WESHALB SIND US AKTIEN SO TEUER?
    Amerikanische Investoren wie Pensionsfonds investieren sehr gerne in ihrem eigenen Land . Amerikanische Privatinvestoren dürfen NICHT in Europa investieren.
    Amerikanische AKTIENGESELLSCHAFTEN KAUFEN MASSIV IHRE EIGENEN AKTIEN.
    Wenn Sie die amerikanischen KURS Indizes mit den deutschen PERFORMANCE Indizes vergleichen, dann erkennen Sie: Der DAX KURS Index steht bei 5 880, der Dow Jones bei 25 200.
    Der Dax Kurs Index hat sich seit seinen Tiefständen März 2003 ähnlich wie der Dow März 2009 ca. VERVIERFACHT - nur zahlen deutsche Unternehmen deutlich mehr Dividende als amerikanische.
    Ein Lobgesang auf amerikanische Aktien ist wohl nicht angebracht: Ein Rückkauf von Aktien hat vor allem den Nachteil, dass zu wenig Geld in Innovationen fließt - bei CISCO, einem High Tech Unternehmen, sollten Investitionen in Innovationen im Vordergrund stehen.
    Bei Unternehmen die sehr, sehr lange am Markt sind und bei denen Innovationen nur noch in kleinem Ausmaß stattfinden, sind Rückkäufe durchaus angebracht!

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