Aktienrückkäufe
Viel Risiko zum Wohle des Aktionärs

Die Münchener Rück tut es, RWE tut es und viele andere Firmen tun es ebenfalls: Aktien zurückkaufen. Eine Mischung aus Ertragshoffnungen, Kurs-, Aktionärs- und Mitarbeiterpflege treibt die Unternehmen dazu. Doch das Geschäft lohnt sich letztlich nur selten.

DÜSSELDORF. Eine Mischung aus Ertragshoffnungen, Kurs-, Aktionärs- und Mitarbeiterpflege animiert noch vor dem Ende der Wirtschaftskrise viele Unternehmen, eigene Aktien zurückzukaufen. Allein in Deutschland kündigten in den vergangenen Wochen sechs Konzerne entsprechende Programme an, darunter der weltweit größte Rückversicherer Münchener Rück, die Beteiligungsgesellschaft BB Biotech und die Baumarktkette Hornbach. Der Versorger RWE will die Aktien nicht wie die meisten Unternehmen einziehen, sondern an Mitarbeiter weiterreichen.

Angesichts immer noch dramatisch einbrechender Nettogewinne und Margen überrascht das Vorgehen. Aktienrückkäufe verringern das ohnehin in der Krise zusammengeschmolzene Eigenkapital noch weiter, und sie rechnen sich für viele Unternehmen nicht.

Das größte Rückkaufprogramm in Europa startete der Nahrungsmittelhersteller Nestlé. Nachdem die Schweizer inmitten der Immobilien- und Finanzkrise zwischen August 2007 und Juli 2009 Aktien im Wert von umgerechnet knapp zehn Mrd. Euro vom Markt nahmen, lassen sie nun eine Tranche von 6,6 Mrd. Euro folgen. Für drei Mrd. Euro nimmt der Tabakhersteller Swedish Match derzeit Aktien vom Markt. Spaniens Telekommunikationsriese Telefónica kündigte trotz gesenkter Gewinnziele für 2010 an, einen Teil der künftig erwarteten Kapitalzuflüsse von 30 Mrd. Euro an die Anleger in Form von Aktienrückkäufen und höheren Dividenden weiterzureichen.

Weniger Aktien verknappen das Angebot und beflügeln so oftmals den Kurs. Gleichzeitig reduziert sich das Eigenkapital, so dass die Rentabilität und das Ergebnis je Aktie steigen. Davon ist oftmals die Vergütung der Topmanager abhängig. Im Krisenjahr 2008 kauften die 500 größten US-Firmen Aktien im Wert von 340 Mrd. Dollar zurück, verdienten unter dem Strich aber nur 131 Mrd. Dollar. „Vor allem große Unternehmen setzen ihre Aktienrückkäufe fort“, sagt Howard Silverblatt vom Informationsdienst Standard & Poor's. Allein im miserablen zweiten Quartal 2009 gab Exxon dafür 5,2 Mrd. Dollar aus, der Handelskonzern Walmart 1,9 Mrd. Euro und IBM 1,7 Mrd. Dollar.

„Wir halten Wort und setzen unser Rückkaufprogramm nach siebenmonatiger Unterbrechung fort. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich nach unserer Einschätzung ausreichend stabilisiert“, begründete Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard das Milliardenprogramm. Selbst wenn es Konjunkturrückschläge gebe, sei der Konzern gut gerüstet. In den letzten drei Jahren hat der Rückversicherer für knapp vier Mrd. Euro Aktien eingezogen und vernichtet.

Der Fall Münchener Rück verdeutlicht das Dilemma, in dem viele Konzerne stecken. Mögliche Unternehmenszukäufe hält der Konzern immer noch für zu teuer, weil der Markt schon wieder auf ein Ende der Finanzkrise setzt. Um Aktionärsforderungen nach Eigenkapitalrenditen von mindestens zwölf Prozent nachzukommen, reduziert der Rückversicherer sein Eigenkapital und erreicht so das Ziel leichter.

Auf der anderen Seite macht ein zu geringes Eigenkapital vielen anderen Unternehmen derzeit schwer zu schaffen. So holte sich der angeschlagene Autohersteller Daimler über eine Kapitalerhöhung 2,6 Mrd. Euro. Bis vor einem Jahr kaufte Daimler indes noch fleißig eigene Aktien zurück, weil das – vermeintlich – hohe Eigenkapital die Rendite eigenfinanzierter Investitionen drücke, wie Finanzvorstand Bodo Uebber im Oktober 2008 hervorhob. Kurz darauf stoppte er die Rückkäufe, für die Daimler 1,4 Mrd. Euro ausgab. Pro Aktie hatten die Schwaben im Schnitt fast 39 Euro bezahlt – ein halbes Jahr später bekam der neue Großaktionär aus Abu Dhabi die Anteilsscheine für 20,27 Euro das Stück.

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