Aktionärsschützer drohen ihm gar mit Klagen
Abpfiff für Gerd Niebaum

Seine Tage als Geschäftsführer des ersten börsennotierten Bundesligaclubs sind gezählt. Niebaum wird sein Amt als Präsident des Ballsportvereins Borussia Dortmund niederlegen.

DÜSSELDORF. Nun also doch. Gerd Niebaum wird sein Amt als Präsident des Ballsportvereins Borussia Dortmund niederlegen. „Spätestens im Rahmen der Neuwahl des Präsidiums im Jahr 2006“, so steht es in einem von BVB-Großaktionär Florian Homm unterzeichneten Brief, den Niebaum gelesen und akzeptiert hat. Der Geschäftsführer des ersten börsennotierten Bundesligaclubs hat ausgespielt. Nicht nur das: Aktionärsschützer drohen ihm gar mit Klagen.

Zwar versuchte Niebaum bis zuletzt, sich vom Vorwurf der Lüge freizuschwimmen. Doch nachdem „Süddeutsche Zeitung“ und „Kicker“ den fraglichen Brief veröffentlichten, musste Niebaum die Rücktrittszusage gegenüber Homm zugeben. In den Tagen zuvor hatte der Doktor der Jurisprudenz noch von Fälschung gesprochen. Nun hieß es, die veröffentlichte Version habe er unter Zeitdruck vor der Bilanzpressekonferenz in der vergangenen Woche unterzeichnet. Er habe diesen Brief als „Goodwill-Erklärung“ verstanden, um die Kapitalerhöhung nicht zu gefährden und um Schaden von Borussia Dortmund abzuwenden.

Ausreden, die die Aktionärsschützer nicht gelten lassen: „Es ist ungeheuerlich, dass Herr Niebaum geheime Absprachen mit einzelnen Aktionären trifft“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Eigentlich ist die Nachricht vom Rücktritt kursrelevant, und damit unterliegt sie der Ad-hoc-Pflicht. Wir werden deshalb prüfen, ob wir gegen Niebaum aktien- und zivilrechtlich vorgehen.“ Stefan ten Doornkaat von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) bezeichnete Niebaums Verhalten als „Besitzstandswahrung in winkeladvokatischer Art und Weise“.

Niebaums Verhalten ist der letzte Akt in einer Geschichte vom Aufstieg und Fall des Advokaten und des Fußball-Bundesligaclubs Borussia Dortmund. Ihren Anfang nimmt sie im Jahr 1984. Als Niebaum dem Notvorstand des Traditionsvereins beitritt, steht der Verein kurz vor dem Konkurs. Der damalige Präsident Reinhard Rauball, ebenfalls Jurist, bat seinen Freund um Hilfe. Niebaum sagt später, er habe mit einem „Engagement von vielleicht drei Wochen“ gerechnet.

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