Aktionärsschützer üben scharfe Kritik
Anwalt: Fondsanleger haben Schadenersatzanspruch

Investoren des kurzfristig geschlossenen Immobilienfonds Grundbesitz-Invest der Deutschen Bank haben nach Einschätzung der auf Anlegerrecht spezialisierten Anwaltskanzlei Tilp Anspruch auf Schadenersatz.

HB FRANKFURT. Grundlage seien Prospekthaftungsansprüche sowie Schadenersatzansprüche wegen der rechtswidrigen Aussetzung der Rücknahme von Fondsanteilen, erklärte Rechtsanwalt Andreas Tilp am Mittwoch in schwäbischen Kirchentellinsfurt bei Tübingen. "Es ist vielen Anlegern vollkommen unverständlich, dass die Deutsche Bank augenscheinlich ihr Firmenimage weiterhin zu Gunsten drastischer Renditevorgaben opfert."

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) warf Deutschlands größtem Geldhaus vor, mangelhaft zu kommunizieren und ihr Image zu gefährden. Andere Fondshäuser übten ebenfalls ungewöhnlich scharfe Kritik.

Die Deutsche-Bank-Tochter DB Real Estate war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Aktie des Kreditinstiuts gab zeitweise 2,3 Prozent auf 80,90 Euro ab und führte bis zum Nachmittag die Verliererliste im Deutschen Aktienindex Dax an. "Die verlieren wegen DB Real Estate", sagte ein Händler.

Merck Finck rechnet mit Stützungsmaßnahmen

Am Dienstag hatte DB Real Estate angekündigt, ihren noch über fünf Milliarden Euro schweren, hauptsächlich in Deutschland investierten Grundbesitz-Invest-Fonds vorerst zu schließen.

Anleger - zumeist Privatkunden - können damit vorerst ihre Anteile nicht in Geld tauschen. Gerade diese Möglichkeit war stets als einer der Vorteile offener Immobilienfonds gepriesen worden. Bereits am Wochenende war bekannt geworden, dass die Immbilien im Grundbesitz-Invest von einem unabhängigen Sachverständigen bis Anfang Februar neu bewertet werden sollen.

Medienberichten zufolge hatten Anleger daraufhin am Montag und Dienstag etwa eine halbe Milliarde Euro an Mitteln abgezogen.

Andere Häuser wie etwa die HVB oder die DekaBank hatten in ähnlichen Situationen auf eigene Kosten ihre Fonds gestützt - die Deutsche Bank hat sich jedoch bislang nicht geäußert. "Ich kann die Vorgehensweise der Deutschen Bank nicht verstehen", sagte ein Bankenanalyst. Die Bank habe die Wahl zwischen zwei Übeln: "Entweder man springt ein und gefährdet sein Renditeziel, oder aber man lässt es - und beschädigt so das Image der Bank."

Die Experten von Merck Finck verwiesen darauf, dass die Finanzaufsicht BaFin Druck auf den Branchenprimus ausüben könnte: "Wir gehen davon aus, dass die Deutsche Bank auch zu Gunsten des Fonds eingreifen wird." Das Geldhaus könne dabei etwa 600 Millionen Euro aufwenden, ohne die angepeilte Renditemarke von 25 Prozent vor Steuern zu unterschreiten.

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