Aktuelle Personalien treffen Yahoo zur schlechtesten Zeit
Bildstörung im Valley

TV-Spezialist David Katz wirft beim strauchelnden Internetriesen Yahoo die Brocken hin. Weitere Manager könnten seinem Beispiel folgen.

DÜSSELDORF. „Ich möchte weiter eine kreative Rolle bei der Entwicklung neuer Formen von Inhalten spielen.“ Das wünschte sich David Katz mal im Interview mit der US-Zeitung „Hollywood Reporter“. Ob ihm dies tatsächlich gelingt und vor allem wo, ist seit gestern offen.

Der smarte Mann mit dem dunklen, krausen Haar tritt nach nur 17 Monaten beim Internetriesen Yahoo ab. Der als Hoffnungsträger von CBS Television eingekaufte Spezialist für interaktive Medien räumt nach Querelen mit Yahoo-Vorstand Lloyd Brown mit sofortiger Wirkung seinen Schreibtisch in Yahoos Medienzentrale im kalifornischen Santa Monica. Der 34-jährige Amerikaner war Sport- und Unterhaltungschef. Er sollte das Video- und TV-Geschäft ausbauen.

Der abrupte Abgang von Katz, unter dessen Führung die Webseite von CBS zur meistbesuchten Webseite aller US–TV-Sender avancierte, könnte zu einem Manager-Exodus in der Yahoo-Zentrale im Silicon Valley führen. So berichtete gestern das Weblog „TechCrunch“, dass Michael Marquez, der Direktor für Konzernentwicklung, Yahoo bereits am Freitag in Richtung CBS verlassen habe.

Die Personalien treffen Yahoo zur schlechtesten Zeit. Die unklare Strategie im Multimediageschäft spiegelt die Richtungslosigkeit des gesamten Internetkonzerns wider.

Während Konkurrent Google mit dem Kauf der Video-Webseite Youtube bei den nutzergenerierten Inhalten souverän in Führung gegangen ist und seine Gewinne weiter steigert, wirkt Yahoos Strategie immer zerfahrener. Wichtige Projekte wie ein Verwaltungsprogramm für Suchwortwerbung (Codename „Panama“) verzögern sich. Rupert Murdochs News Corp. hat mit „Myspace.com“ die Führung bei Community-Webseiten übernommen. Und nun zeigt sich, dass es auch bei der TV-Strategie große Probleme gibt.

So gab der Yahoo-Konzern zwar gestern bekannt, er wolle Wirtschaftsnachrichten als Video in seinen erfolgreichen Webdienst „Yahoo Finance“ integrieren. Doch am Tag zuvor hatte bereits der TV-Gigant CNBC eine integrierte Video-Finanzseite gestartet – eine direkte Herausforderung für Yahoo.

Letztlich auch für Lloyd Brown, den Vorstand der Fernsehsparte. Er war erst 2004 von ABC Television zu Yahoo gekommen, um für Chief Executive Officer (CEO) Terry Semel den Bereich umzukrempeln. Er keilte sich durch das Management, brachte TV-Macher wie Ira Kurgan (Fox), Shawn Hardin (NBC) und eben David Katz ins Spiel. Eine Reihe altgedienter Manager drängte der für seinen harschen Führungsstil bekannte Brown dafür aus dem Unternehmen.

Die großen Erfolge aber bleiben aus, und programmiertes Fernsehen im Internet, Browns Ziel im vergangenen Jahr, gerät seit dem Erfolg von Youtube sogar ins Hintertreffen. Bei Youtube stellen die Nutzer eigene Videos ins Internet.

Jetzt setzt also auch Yahoo auf Inhalte, welche die Internetnutzer selbst produzieren. Und da wird ein hoch bezahlter TV-Manager und Serienspezialist wie Katz offenbar nicht mehr gebraucht, der für die interaktive Umsetzung der TV-Serie „CSI: Crime Scene Investigation“ bei CBS sogar eine Emmy-Nominierung einheimste.

Für Yahoo-Chef Terry Semel wird es langsam eng. Mindestens seit November herrscht großer Unmut an der Managementbasis. Da wurde eine mittlerweile als „Peanuts-Memo“ bekannte E-Mail des Yahoo-Top-Managers Brad Garlinghouse in die Öffentlichkeit lanciert. Er hatte kritisiert, dass Yahoos Strategie eher einer dünnen Schicht Peanutsbutter ähnele, die einfach alles überziehe, statt sich auf wichtige Kernkompetenzen zu konzentrieren.

Nun, nach dem Abgang von Katz, rechnen Beobachter damit, dass weitere Manager Yahoo den Rücken kehren könnten. An der Wall Street tauchen erste Stimmen auf, die sogar eine Ablösung Semels nicht mehr ausschließen wollen. Semel hatte 2001 die Führung des E-Mail- und Informations-Portals übernommen, das Unternehmen runderneuert, den Weg zum Unterhaltungskonzern geebnet und den Anschluss Yahoos im Suchmaschinenmarkt geschafft. Doch jetzt scheint Konsolidierung das oberste Ziel zu sein.

Eine Wunschkandidatin wird intern schon gehandelt: Yahoo-Finanzchefin Sue Decker. Die frühere Analystin beim US-Bankhaus Donaldson, Lufkin & Jenrette gilt als ideale Besetzung, um den Konzern wieder auf Kurs zu bringen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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