Aktuelle Urteile
Stolperfallen vor Gericht

Zwei, drei oder fünf Zentimeter? Wenn Fußgänger auf öffentlichen Wegen wegen Unebenheiten stürzen, legen die Richter das Maßband an.

Metropole: Eine Hamburgerin stolperte auf einem Fußweg über eine Bodenplatte, die drei Zentimeter herausragte. Sie fiel und forderte 2 500 Euro Schmerzensgeld. Als die Stadtväter abwinkten, zog sie vor Gericht - mit Erfolg. Hätten innerstädtische Straßen und Wege mehr als "zwei Zentimeter Höhenunterschied", seien Kommunen schadensersatzpflichtig, so die Richter. Sie zogen von der Forderung aber 50 Prozent ab, da die Kante gut sichtbar war (Oberlandesgericht Hamburg, 14 U 195/04).

Provinz: Auf einer mit Platten ausgelegten Nebenstraße im Dorf stieß eine Hessin gegen eine knapp zwei Zentimeter hohe Kante und stürzte. Vor Gericht ging sie leer aus. Mit Höhenunterschieden dieser Kategorie müssten Fußgänger in Dörfern rechnen. Gerade wenn weder Schaufenster noch hektischer Verkehr ablenkten, könnten sie sich ja "auf den vor ihnen liegenden Gehweg" konzentrieren (Oberlandesgericht Frankfurt, 1 U 248/90).

Köln: Am Neumarkt übersah eine Dame, dass das Pflaster zwischen den Straßenbahnschienen fünf Zentimeter abgesenkt war. Beim Tritt in die Kuhle kam sie zu Fall und brach sich den Unterarm. Danach erstritt sie 2 900 Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld. Auf stark frequentierten Plätzen seien derartige Mulden nicht akzeptabel, da Fußgänger oft im "Pulk" und deshalb mit "eingeschränkten Sichtverhältnissen" unterwegs seien (Oberlandesgericht Köln, 19 U 81/93).

Markt: Über einen neu gestalteten Marktplatz zog sich eine scharfkantige, 17 Millimeter tiefe Entwässerungsrinne. Eine 75-Jährige stolperte über die Kante und brach sich den Arm. Zwei Drittel der Behandlung musste die Kommune bezahlen: Der renovierte Platz habe den Eindruck einer "Gehfläche ohne Stolperstellen" vermittelt. Die Rinne hätte zumindest ohne scharfe Kanten angelegt werden müssen (Oberlandesgericht Hamm, 9 U 43/04).

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