Al Gore
175 000 Dollar für eine Rede

Erst gute Taten, dann gutes Geld: Als populärer Klimaheld hat Al Gore, der frühere US-Vizepräsident, den Friedensnobelpreis erhalten. Eine Auszeichnung, die auch seinem Konto nicht eben geschadet hat. Doch der ehemalige Vizepräsident verdient nicht nur als Klimaretter.

DÜSSELDORF. Al Gores Privatvermögen soll sich seit Ende seiner Vizepräsidentschaft vor sieben Jahren von zwei Millionen auf bis zu 100 Millionen Dollar vermehrt haben. Allein 35 Millionen Dollar hat der 59-Jährige über eine Firma namens Carthage, die nach Gores Heimatort benannt ist, jetzt in die Capricorn-Investment-Gruppe aus dem kalifornischen Palo Alto gesteckt. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg, die sich auf die US-Finanzaufsicht SEC beruft.

Al Gore und Capricorn, 2001 von Ex-Ebay-Chef Jeffrey Skoll gegründet, äußerten sich dazu nicht. „Er ist Privatmann und muss nicht über seine Finanzen informieren“, sagte Gores Sprecherin. Klar ist, dass Gore von dem Aufsehen, das seine Klimaschutzappelle erregen, gut lebt.

Zwar spendet er die Gewinne aus dem Klimaschutzspektakel „Eine unbequeme Wahrheit“ der „Allianz für den Klimaschutz“. Allein das Begleitgeschäft dürfte aber schon lukrativ genug sein. Angeblich kassiert Gore pro Rede 175 000 Dollar. Und geredet hat er zuletzt viel.

Gore ist in guter Gesellschaft. Nicht selten wird es für Spitzenpolitiker finanziell lukrativ, wenn sie aus ihren Ämtern ausgeschieden sind. Das beste Beispiel dafür ist Bill Clinton. Der ehemalige US-Präsident soll im ersten Jahr nach seiner Amtszeit neun Millionen Dollar Redehonorare kassiert haben.

Noch heute bekommt Clinton, der von der Agentur Harry Walker vermarktet wird, 150 000 Dollar pro Rede. Dieselbe Agentur vermarktet Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Der muss sich dem Vernehmen nach mit läppischen 75 000 Dollar pro Rede begnügen.

Mit Blick auf seine anderen Posten, etwa als Berater beim Bankhaus Rothschild, dürfte auch er nicht darben. Besser steht Großbritanniens Ex-Premier Tony Blair da. Der soll für eine einzige Rede in China 340 000 Euro kassiert haben – und steht mit einem millionenschweren Jahressalär auf der Gehaltsliste von JP Morgan.

Auch Gore verdient nicht nur als Klimaretter. Vor allem im Silicon Valley ist der Ex-Politiker gut im Geschäft. Den dortigen IT-Firmen galt schon zu Amtszeiten seine Fürsorge. „Da ist es klar, dass diese Leute ihm nach seiner Amtszeit treu bleiben“, sagt Ex-Kongressmitglied Tony Coelho. Demnach hat Gore bereits vor Jahren im Gegenzug für Beratungsleistungen lukrative Optionen von Google und Apple erhalten. Außerdem arbeitet Gore für Beratungs- und Investmentfirmen.

Verdammt viel zu tun für einen, der das Klima retten will.

Sven Prange
Sven Prange
Handelsblatt / Ressortleiter Report und Namen
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