Albert Koch
Der leise Liquidator von GM

Albert Koch hat schon große Insolvenzfälle gemeistert. Erst rettete er die Kaufhauskette Kmart, dann das Bauunternehmen Champion Enterprises - jetzt steht der 67-Jährige vor seiner größten Aufgabe: Er soll die maroden Bereiche des insolventen Autobauers GM abwickeln.

NEW YORK. Die Detroit Tigers liegen null zu zehn in Rückstand. Das Spiel ist fast vorüber, und als wolle er noch einmal alles aus seinem Baseball-Team herauskitzeln, sagt er: „Jetzt haben wir sie da, wo wir sie haben wollen.“ Sozusagen die letzte Chance, das Blatt noch einmal zu wenden.

Albert „Al“ Koch ist nicht nur begeisterter Baseball-Fan, sondern auch ein echter Profi darin, Menschen zu Spitzenleistungen anzuspornen, die eigentlich schon verloren haben. Bei jeder Besprechung steht er im Zentrum der Aufmerksamkeit, dabei klingt seine Stimme stets leise, bedacht und höflich. Erst zuhören, dann sprechen, lautet die Devise des auf Sanierungsfälle spezialisierten Vice Chairman der US- Beratungsfirma Alix Partners.

Auf diese Weise wird Koch zu einem der renommiertesten Spezialisten komplexer Insolvenzfälle – ein Geschäft, in dem es weniger auf Durchsetzungskraft ankommt als vielmehr auf Einfühlungsvermögen, Respekt und Menschenkenntnis.

Doch seine neueste Aufgabe stellt alles Bisherige in den Schatten: Seit wenigen Tagen verantwortet der 67-Jährige auf Wunsch der US-Regierung als Chef-Abwickler die Sanierung des insolventen Autoriesen General Motors (GM). Dort teilt sich Koch die operative Unternehmensführung mit GM-Chef Frederick „Fritz“Henderson. Dem untersteht er zwar offiziell. Doch weil die Milliarden zum Überleben vom Finanzministerium fließen, sitzt bei GM faktisch die US-Regierung am Steuer – und nicht mehr der Vorstand.

Der Sanierungsplan der US- Regierung, die bald 60 Prozent der Anteile an einem restrukturierten GM-Konzern halten soll, klingt simpel: die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Alle halbwegs Erfolg versprechenden Unternehmensteile, etwa die Kernmarken Chevrolet und Cadillac, sollen in einem neuen GM-Konzern gebündelt werden. Das deutlich verkleinerte und entschuldete Unternehmen soll dann möglichst innerhalb von drei Monaten wieder aus dem Insolvenzverfahren entlassen werden. Bereiche, die nicht innerhalb kürzester Zeit auf Profitabilität getrimmt werden können, sollen von einem Spezialistenteam separiert und am Ende liquidiert werden.

Der Liquidator: Al Koch. Damit könnte er GM länger erhalten bleiben, als ihm lieb ist, denn das Abwracken der nicht überlebensfähigen Konzernteile dürfte Branchenexperten zufolge bis zu fünf Jahre dauern.

Koch wird jedoch sein Talent insbesondere darin beweisen müssen, in der Jahrhundert-Misere GM zwischen ganz unterschiedlichen Interessengruppen zu vermitteln – der Belegschaft, einer ganzen Zulieferindustrie sowie einer großen Zahl von Gläubigern. Koch, der in seiner 40-jährigen Karriere einige der größten Insolvenzfälle der USA erfolgreich abwickelte, bezeichnet dies als eine „sehr große Herausforderung“. So wird GM neben Hummer auch die Marken Saturn, Saab und Pontiac abstoßen und – so sich kein Käufer findet – schließen. „Eine äußerst komplexe Situation“, wie Koch betont.

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