Aleksander Ruzicka: Dem Jäger wird der Prozess gemacht

Aleksander Ruzicka
Dem Jäger wird der Prozess gemacht

Die Affäre Aleksander Ruzicka könnte Folgen für eine gesamte Branche haben. Der frühere Chef der Wiesbadener Agentur Aegis Media sitzt seit 15 Monaten in Untersuchungshaft. Ihm wird die Veruntreuung von Firmengeldern in 87 Fällen in Höhe von mindestens 52 Millionen Euro vorgeworfen. Am Dienstag beginnt der Prozess.

DÜSSELDORF. Vor dem Landgericht Wiesbaden geht es nicht zuletzt um die Frage: Handelt es sich bei der mutmaßlichen Untreue um das Fehlverhalten eines einzelnen Managers – oder handelt es sich um ein grundsätzliches Problem einer Branche und ihres intransparenten Vergütungssystems?

Mediaagenturen buchen im Auftrag von Unternehmen Werbeplätze. Ruzicka war einer der erfolgreichsten und schillerndsten Manager dieses Geschäfts. Er vereinte alle Merkmale eines Mannes von Welt: noble Adresse im Wiesbadener Villenviertel „Am Birnbaum“, ausgeprägte Jagdleidenschaft, die er mit Trophäen dokumentierte, und ein charismatisches, zuweilen selbstherrliches Auftreten. 1985 fing er als Planungsassistent bei Aegis Media an, von 1999 bis 2006 war er deren CEO.

In dieser Zeit baute er ein „System“ auf, wie er es nannte, das ihn letztendlich zu Fall brachte: Die Agentur Aegis, die Fernsehspots und Radiowerbung für werbetreibende Firmen bei Sendern bucht, erhielt bei größeren Aufträgen Rabatte – entweder in Form von Freispots oder in bar. Diese sogenannten „Kickbacks“ schleuste Ruzicka über ein vielmaschiges Netz an Firmen, um sie am Ende wieder an Aegis zu verkaufen.

Eine anonyme Anzeige, die im Juli 2005 bei der Wiesbadener Staatsanwaltschaft einging, schilderte das System Ruzickas verblüffend detailreich. 15 Monate später, am 24. Oktober 2006, erfolgte der Zugriff: Die Polizei verhaftete ihn in seiner Villa in Wiesbaden. Seitdem sitzt Ruzicka in Untersuchungshaft. Das Gericht begründet dies mit dringendem Tatverdacht und Fluchtgefahr. Ruzicka selbst bestreitet, kriminell gehandelt zu haben. Sein „System“ sei mit Wissen von Aegis durchgeführt worden, sagte er in Interviews, die er aus dem Gefängnis heraus gab.

Lange Zeit rätselte die Mediabranche, wer hinter der anonymen Anzeige steckt. Im November 2007 gestand Andreas Bölte, früher Aegis-Finanzchef und heute Ruzickas Nachfolger, dass die Mediaagentur ihn selbst angezeigt hatte. Nun rätselt die Branche weiter: Warum hat die Mediaagentur den Firmenboss nicht früher suspendiert, wenn sie doch von seiner Schuld überzeugt war? Für den Prozess sind 17 Verhandlungstage angesetzt. Angeklagt ist neben Ruzicka auch David Linn, der frühere Aegis-Einkaufschef.

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