Alexander Kirchner
Transnet-Chef versucht sich als Scharfmacher

Im Kampf gegen Lohndumping bei den kleineren Bahnen entschloss der Chef der größten Eisenbahner-Gewerkschaft sich zu einem Warnstreik. Damit verschießt der sonst eher leise Pragmatiker jede Menge Pulver.
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DÜSSELDORF. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein Bilderbuch-Gewerkschafter: offener Hemdkragen, lässige Klamotten, dazu ein entschlossener Gesichtsausdruck. Doch Alexander Kirchner, seit knapp zwei Jahren Chef der größten Eisenbahner-Gewerkschaft Transnet, ist alles andere als ein Scharfmacher. Vielmehr kann der 54-jährige Vater einer Tochter auch in leisen Tönen argumentieren.

Doch damit hat er es im Moment nicht so: Mit dem Entschluss, am Dienstag bundesweit Bahnkunden mit weder örtlich noch zeitlich näher präzisierten Warnstreiks sämtliche Reisepläne zu zerstören, verschießt Kirchner reichlich Pulver in der Auseinandersetzung um einen einheitlichen Branchentarifvertrag für Eisenbahner im Schienennahverkehr.

Der Gewerkschaftsboss will so Lohndumping bei Lokführern und Zugbegleitern bei den kleineren Bahnen vermeiden. Was in der Branche überrascht, dass Kirchner mit der Forderung "gleicher Lohn für alle bei allen Bahnen" sämtliche Verhandlungsspielräume ablehnt. Das mag am Stress liegen, da Transnet gerade auf dem heiklen Weg ist, sich mit der Schwesterorganisation GDBA zur Eisenbahner- und Verkehrsgewerkschaft zu verschmelzen. Oder aber es ist der Kleinkrieg mit der Lokführer-Gewerkschaft GDL, die den beiden großen Organisationen massenhaft Mitglieder entzog.

Dabei gilt Kirchner als intelligenter Pragmatiker, der die Bahnwelt von der Pike auf kennt. In seiner Gewerkschaftskarriere war er zur Stelle, als Vorgänger Norbert Hansen die Seiten wechselte und bei der Deutschen Bahn Arbeitsdirektor wurde. Kaum denkbar, dass ein Mann wie Kirchner auch diesen Weg gehen könnte. Das würde er wohl eher für einen Verrat an der Gewerkschaftssache halten.

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