Alfred Ötsch: Aua-Chef: Ab auf den Schleudersitz

Alfred Ötsch
Aua-Chef: Ab auf den Schleudersitz

Alfred Ötsch will die Austrian Airlines sanieren und als selbstständige Fluglinie erhalten.

HB WIEN. Die Stellenausschreibung ist eindeutig. Sie verlangt „bewiesene Sanierungsqualitäten“, die der künftige Chef der halb privaten Austrian Airlines (Aua) mitbringen soll. Alfred Ötsch hat sich auf diese Anzeige nicht beworben. Gestern hat er den Job trotzdem bekommen. Der Aufsichtsrat der österreichischen Fluglinie hat entscheiden, dass der bisherige Herr der Zahlen bei Siemens in Österreich bereits im Mai den Aua-Chefposten übernehmen soll. Sie haben ihn darum gebeten.

Schlank steht er da, den Zweireiher zugeknöpft, den Blick mutig ins strategische Geradeaus gerichtet. Er hat auch mit 52 Jahren noch immer einen Hang zu Extremen. Seit er ein Junge ist, liebt er riskante Berg- und Skitouren und brachte es in seinen Studentenjahren auf Skiern zum zweifachen niederösterreichischen Landesmeister im Riesentorlauf. Die Marathondistanz schreckt ihn noch immer nicht. Ein Sportskamerad von damals, der heutige Generali-Immobilien-Vorstand Klaus Edelhauser, meint: „Ötsch ist extrem ehrgeizig.“ Einer, der mit ihm Tennis spielt, sagt: „Verlieren mag der Ötsch nicht.“

Diese Qualität kann er nun bei der Aua unter Beweis stellen. Das Unternehmen ist tief in die roten Zahlen geflogen. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2005 lag der Verlust bei 96 Millionen Euro. Die Schulden summieren sich inzwischen auf bald zwei Milliarden Euro. Die neuesten Zahlen kommen nächste Woche, die Citibank rechnet schon jetzt mit 56 Millionen Euro Miesen. Ötsch hat sich auf einen Schleuderstuhl im Cockpit eingelassen.

Den Irrflug hat die Fluglinie zumindest zum Teil selbst verschuldet: Sie verfügt über eine uneinheitliche Flotte. Ihre Maschinen stammen von Airbus, Boeing, Fokker, Canadair, und Bombardier, was hohe Servicekosten verursacht. Zudem hat sich der amtierende Chef Vagn Sörensen letztlich nicht gegen die mächtigen Piloten durchsetzen können. Zwar gelang ihm eine Einigung über einen neuen Kollektivvertrag. Doch besteht nach wie vor eine teure Betriebsvereinbarung, die den Langstrecken-Piloten Ruhezeiten zubilligt, die im europäischen Vergleich kaum zu übertreffen sind.

Allen weiter gehenden Forderungen ist das fliegende Personal mit Streikdrohungen entgegengetreten. „Die müssen endlich vernünftig werden“, sagt Wilhelm Schasching, Präsident des Luftfahrtverbandes in Österreich, und skizziert damit eine Hauptaufgabe des neuen Chefpiloten. Der Aufsichtsrat der Aua sieht das genauso: Er kündigte gestern an, dass man nun „mit Hochdruck“ an der Ergebnisverbesserung arbeiten werde.

Seite 1:

Aua-Chef: Ab auf den Schleudersitz

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%