Alibaba.com-Chef Jack Ma im Porträt
Chinas Bill Gates

Die Aura des Außerirdischen, sie umgibt ihn ständig. Im Bürosessel, auf dem Podium, beim Interview – Jack Ma versprüht stets etwas Geniales, etwas Märchenhaftes. Und auch etwas Verrücktes. Und mit seinen harten Backenknochen, dem Dauergrienen und den Segelohren erinnert der Alibaba-Chef irgendwie an das kleine Kino-Wesen E.T.

PEKING. Für Chinas Internet-Guru gibt es offenbar keine irdischen Grenzen. Seine Internethandelsplattform Alibaba.com wächst mit geradezu märchenhafter Geschwindigkeit, hat bereits 25 Millionen Kunden. Und der morgige Börsengang in Hongkong wird mit 1,5 Milliarden Dollar (eine Milliarde Euro) schon vorher als das größte IT-Listing Chinas bejubelt.

„Wir haben ab dem ersten Tag an unseren Traum geglaubt“, sagt Jack Ma gelassen. Die Stimme des wortgewandten Managers kennt keine Zweifel, hat oft etwas von einem Prediger. Etwa, wenn er sagt: „Wir werden Chinas Wirtschaft verändern.“

Große Worte für einen 43-Jährigen, der erst vor acht Jahren Alibaba gegründet hat. Doch Jack Ma hat bereits bewiesen, dass in China Märchen wahr werden können. Dort gehören zur Alibaba Group inzwischen die Suchmaschine Yahoo, das Online-Zahlungssystem Alipay sowie Taobao.com, eine chinesische Ebay-Imitation, die sehr erfolgreich ist.

Es ist ein erstaunlicher Erfolg für jemanden, der als 30-Jähriger noch nie einen Computer berührt hatte. Den ersten PC seines Lebens habe er 1995 bei seiner ersten US-Reise gesehen, erinnert sich Jack Ma kichernd. „Ich hatte richtig Angst, das Ding anzufassen“, gesteht er noch heute. Computer galten damals in China als unbezahlbarer Luxus.

Inzwischen wird Jack Ma als der „Bill Gates von China“ gefeiert. Und die Beratungsfirma Ovum hat den Entrepreneur „zum klügsten Kopf der chinesischen Internetszene“ gekürt. Dabei ist seine Geschäftsidee eigentlich simpel: Internationale Produzenten suchen ständig Kunden und Lieferanten, vor allem in China. Diese könnte man doch per Internet zusammenbringen, dachte sich Ma.

Ob Socken, Bananen oder Bagger – bei Alibaba.com finden Einkäufer heute einen Zulieferer, Mittelständler ihren passenden Partner. „Unsere Plattform schaltet Zwischenhändler aus, die man bislang in China brauchte“, so der Alibaba-Chef. Das senkt Kosten, vermeidet Vermittlungsgebühren und bekämpft Korruption. „Vor allem aber brechen wir damit aus dem alten Denken aus“, setzt der charismatische Manager auf das Ende der Vetternwirtschaft.

Schon folgen immer mehr seinem Pfad der Online-Tugend: Jeden Tag lassen sich 11 000 Firmen bei Alibaba registrieren. Denn der Anbieter liegt im Trend. Benutzten vor drei Jahren vier Millionen chinesische Firmen täglich das Internet, dürften es zum Ende dieses Jahres 35 Millionen sein.

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