Alitalia-Chef Maurizio Prato
Fast unlösbare Aufgabe

Als Maurizio Prato Anfang August überraschend den Präsidentenposten bei Alitalia übernahm, bekam der 66-Jährige von allen Seiten Lob zu hören. Er ersetzte Berardino Libonati, der wegen des gescheiterten Verkaufs der maroden Fluggesellschaft nach weniger als einem halben Jahr zurückgetreten war.

MAILAND. Die Regierung stellte die „mehr-jährige Managementerfahrung Pra-tos in verschiedenen Unternehmen“ heraus, in der Verkehrsbranche und bei Restrukturierungen und Privati-sierungen. Fabio Berti, Präsident der Pilotengewerkschaft Anpac, nannte die Wahl Pratos ein „Zeichen von Stabilität“, die das Umfeld beruhige.

Doch die Vorschusslorbeeren könnten schon bald verbraucht sein. Am heutigen Freitag will Prato auf einer Verwaltungsratssitzung Einzelheiten des neuen Geschäftsplans festzurren, der bei Mitarbeitern schon für Unmut sorgte. Von rund 1 000 Entlassungen ist die Rede – rund fünf Prozent der Belegschaft.

Der im umbrischen Foligno geborene Jurist hat mit seinem Posten in Rom eine fast unlösbare Aufgabe angetreten. Er muss die marode Fluggesellschaft, die im vergangenen Jahr mehr als 600 Millionen Euro verloren hat, wieder auf Kurs bringen und gleichzeitig einen Käufer finden. Ein kleiner Trost: Der Staat, der noch immer knapp die Hälfte der Aktien hält, hat dem Manager mehr operative Befugnisse als seinen gescheiterten Vorgängern gegeben.

Prato hat nach 13 Jahren bei der Finanzpolizei vor allem bei staatlichen Unternehmen Karriere gemacht, unter anderem bei der Staatsholding Iri, die ihre Töchter nach und nach privatisierte. Zuletzt war er Präsident der Fintecna, einer staatlichen Beteiligungsgesellschaft, die unter anderem die Hälfte von Alitalia Servizi – der Bodensparte von Alitalia – kontrolliert. Damit ist dem als besonnen geltenden Prato die Thematik von Alitalia bestens bekannt.

Dennoch kommt auch Prato nicht um herbe Einschnitte bei Alitalia herum. Neben erwarteten Entlassungen will Prato voraussichtlich rund 150 Flüge vom norditalienischen Flughafen Malpensa bei Mailand streichen und nur noch den Flughafen in Rom als Hauptdrehkreuz (Hub) nutzen. Diese Pläne treffen bei den norditalienischen Gewerkschaften auf wenig Gegenliebe. Sie antworten seit Tagen mit wilden Streiks.

Aber mindestens genauso schwierig, wie Alitalia auf Gewinn zu trimmen, ist die Suche nach Investoren. Regierungschef Romano Prodi will bis Ende des Jahres einen Käufer finden. Immer wieder machen die Namen von Air France-KLM, Lufthansa und nun auch British Airways die Runde. Doch Prato hat bisher noch keinen konkreten Interessenten.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%