Alitalia-Chef Zanichelli muss vor allem Zeit gewinnen: Ein Netzwerker als Chefpilot

Alitalia-Chef Zanichelli muss vor allem Zeit gewinnen
Ein Netzwerker als Chefpilot

Die Aufgabe scheint eines Herkules würdig: Man saniere ein Unternehmen, das im letzten Jahrzehnt ein einziges Mal (1998) einen operativen Gewinn erwirtschaftet hat, aktuell 50 000 Euro pro Stunde verliert, in einem äußerst schwierigen Markt tätig ist und ein riesiges Kostenproblem hat.

MAILAND. Doch damit nicht genug: Das Unternehmen ist zu allem Überfluss auch noch mehrheitlich in der Hand des Staats, und die Regierung will im Vorfeld diverser Wahlen ebenso wenig Kündigungen und schmerzliche Einschnitte akzeptieren wie die Gewerkschaften, die jene Firma durch eine Streikwelle in den letzten Monaten völlig destabilisiert haben. Das Unternehmen heißt Alitalia, und die Rolle des Herkules soll Marco Zanichelli spielen.

Seit drei Tagen ist der 56-Jährige aus Reggio Emilia Boss der krisengeschüttelten Fluggesellschaft. Kein seriöser Beobachter glaubt, dass er die riesigen Probleme des Unternehmens tatsächlich in den Griff bekommen kann. Denn erstens will die Regierung wie bei seinem Vorgänger Francesco Mengozzi kräftig mitreden und mitentscheiden. Der notwendige Personalabbau – Mengozzi wollte 2 700 Arbeitsplätze streichen – dürfte also weiter aufgeschoben werden. Zweitens gilt der diplomierte Geologe mangels eines profilierteren Kandidaten nur als Übergangslösung. Dem Vernehmen nach haben sowohl der Ex-Chef des Tabakkonzerns ETI, Maurizio Basile, als auch Vodafone-Italia-Chef Vittorio Colau dankend abgelehnt. Drittens ist Zanichelli nicht bekannt als Sanierer, sondern als politischer Manager.

„Networking“ ist seine Kernkompetenz, weniger die Formulierung und Umsetzung von Strategien. „Zanichelli ist im Gegensatz zu Mengozzi nicht operativ“, sagt einer, der ihn kennt. „Er soll in erster Linie die gespannten Beziehungen der Unternehmensleitung zu den Gewerkschaften, der Regierung, den Piloten und den Mitarbeitern verbessern.“

Der von seinem Umfeld als sympathisch und umgänglich beschriebene Manager hat sein ganzes Berufsleben in der Staatswirtschaft verbracht. Gestartet 1975 beim Stahlhersteller Dalmine, wechselte er 1989 zur Alitalia, wo er entsprechend seiner Fähigkeiten als Kommunikationschef eingestellt wird. Rasch steigt der Manager mit den hohen Geheimratsecken bei der staatlichen Airline auf. Seine Mitarbeiter attestieren ihm eine erhebliche taktische Schläue. Ohne diese Eigenschaften wäre es wohl nicht möglich gewesen, unter sechs verschiedenen Vorstandschefs stets auf der Straße nach oben zu bleiben.

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