Allan Moss, Chef der Macquarie-Bank
Der brillante Tollpatsch

Allan Moss ist unscheinbar, wirkt scheu und ein wenig blass. Insgesamt erweckt er nicht den Eindruck, Australiens erfolgreichster und bestbezahlter Manager zu sein. Dies ist Moss jedoch, denn als Kopf der Macquarie Bank hat er aus dem provinziellen australischen Finanzinstitut einen „Global Player“ gemacht – der mitunter auch in „schmutzige“ Geschäfte investiert.

SYDNEY. Vergangene Woche kam es im Zentrum des australischen Kapitalismus’ zu einer Revolte: Rund ein Viertel der Aktionäre von Macquarie Bank weigerten sich, während der Jahresversammlung dem vom Aufsichtsrat präsentierten Gehaltspaket für die Führungsriege zuzustimmen. Zugegeben, es war keine kleine Lohntüte: 200 Mill. australische Dollar (128 Mill. Euro) sollten in die Taschen der 13 Macquarie-Chefs fließen. Ganz oben auf der Gehaltsskala steht der Chief Executive und Managing Director, Allan Moss. Sein Salär ist so hoch, dass so manchem Australier die Wut hoch kommt. 33,5 Mill. austr. Dollar kassiert der 58-Jährige in diesem Jahr, 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Das sind 7 648 austr. Dollar pro Stunde, vorausgesetzt Moss arbeitet zwölf Stunden am Tag.

Kann ein Manager so viel wert sein? Kaum ein Thema der australischen Wirtschaft fasziniert die Medien so, wie das Gehalt des bestbezahlten Managers des Landes. Doch so schnell die Frage aufkommt, so schnell ist sie wieder vergessen. Denn Moss ist das pure Gegenstück zu einem geltungssüchtigen Medienjunkie. Er gibt praktisch keine Interviews; seine Auftritte auf den Pflicht-Pressekonferenzen sind in der Regel so langweilig, dass die Reporter über ihren Notizblöcken einnicken. Dabei ist der Mann mit der dürren Statur und dem Gesicht, das eindeutig zu wenig Sonne sieht, der mit Abstand erfolgreichste australische Investmentbanker der Gegenwart. Seit seinem Amtsantritt 1993 hat Allan Moss die Macquarie Bank zu einem global agierenden Unternehmen geformt, das in so ziemlich jede Anlage investiert, die eine garantierte Rendite abwirft. Das Anlageportefeuille ist Dutzende Mrd. austr. Dollar schwer, die Zahl der Angestellten ist von 1 300 auf über 10 000 in 24 Ländern gestiegen, der Börsenwert hat sich von 500 Mill. auf 24,1 Mrd. austr. Dollar vervielfacht.

Zwar bietet Macquarie das ganze Spektrum von Leistungen einer Investmentbank an – von der Finanzplanung bis zum Scheckbuch. Für Moss aber ist das wahre Geschäft dort, wo sich die Bank an Infrastrukturen und Basisdiensten jeglicher Art beteiligen kann. Seien es Bezahlautobahnen in Sydney, Flughäfen in Italien oder Abwasseranlagen in Asien: Macquarie hat sich bei der Investition in Infrastrukturanlagen zum Weltmarktführer entwickelt. „Mac“, wie die Bank unter australischen Analysten und Händlern genannt wird, tritt entweder direkt als Käuferin auf oder aber in beratender Funktion. Über verschiedene, meist branchenspezialisierte Fonds können sich Anleger an den diversen Investitionen beteiligen.

Wo Macquarie nicht selber kauft, sondern Fusionen, Akquisitionen oder Börsengänge in die Wege leitet, erhält der Investment-Banking-Arm von Macquarie eine Beteiligung, die in direktem Verhältnis zur Größe des Deals steht. In Deutschland hat die Bank im November letzten Jahres mit einem Übernahmeangebot für den Dienstleister Techem auf sich aufmerksam gemacht. Und unter Macquarie’s Führung übernahm ein Konsortium für zwölf Mrd. Euro von RWE die britische Thames Water. Zwar ist das Heimatland Australien nach wie vor von großer Bedeutung für Macquarie – so kontrolliert die Bank etwa den Flughafen Sydney. Doch für Moss ist klar, dass die Zukunft im Ausland liegt.

Es war seine Unscheinbarkeit, die den Australier 1977 zu Hill Samuel (SH) brachte, der Vorgängerfirma von Macquarie. Nach dem Rechts- und Wirtschaftsstudium, einer kurzen Zeit im Staatsdienst und der Rückkehr zur Uni entdeckte ihn Graeme Samuel, damals SH-Chef in Melbourne. Man sei zum Schluss gekommen, dass „Allans Persönlichkeit seine grundlegende Begabung, Intelligenz und pure Hartnäckigkeit überdeckt“. Wer ihn zum ersten Mal treffe, erhalte „kein Gefühl für die außerordentliche Intelligenz, die in diesem Mann steckt“, sondern unterschätze ihn automatisch, sagte der damalige Chef von Hill Samuel, Tony Berg. Und: „Dieser Mann könnte dereinst die Bank führen“. 16 Jahre später löste ihn Moss an der Spitze ab.

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