Allan Moss
Der wurstelnde Professor kommt

Erfolg sorgt für Bekanntheit. Meistens. Nur ganz selten kommt es vor, dass ein äußerst erfolgreicher Manager so unbekannt bleibt wie Allan Moss. Dabei ist der Vorstandsvorsitzende der Macquarie Bank nicht nur bereits seit 1993 im Amt – sondern auch der mit Abstand bestbezahlte Manager Australiens.

GUNDARY/DÜSSELDORF Gehalt 2005: 12 Millionen Euro plus Boni, Zuschüsse, Prämien. Auch seine Angestellten darben nicht: Gerüchte sagen, kein Mitarbeiter der Macquarie Bank verdiene unter einer Million Dollar im Jahr – nicht mal Sekretärinnen. Nun aber rückt ihn die geplante Übernahme des Energiedienstleisters Techem schlagartig in Deutschland ins Rampenlicht. Doch wer mehr über den Aufkäufer wissen möchte, findet vor allem Gerüchte, Vermutungen, Halbwissen.

Ganz still hat Moss aus einer kleinen australischen Investmentbank einen Riesen mit einem Marktwert von weit über 30 Milliarden Euro gemacht. Auch die Mitarbeiter lassen nichts nach außen dringen: Moss und sein Team gelten Kennern als eine Art Familie mit fast religiösem Zusammenhalt. Sie kontrollieren den Flughafen Sydney ebenso wie ein Gasverteilsystem in England und eine Bezahlautobahn in Virginia.

Kunst und Recht hat Moss studiert, auch sein Vater hatte schon eine Investmentbank. Ihn aber zog es nach dem Studium zur Wirtschaftsförderungsgesellschaft Australiens. Dann erwarb er in Harvard seinen MBA – er schloss als bester Finanz-Student des Jahrgangs ab. 1977 wirbt ihn die Handelsbank Hill Samuel David Clarke an.

Bald nennt ihn die Branche den „herumwurstelnden Professor“. Seine Tapsigkeit ist legendär, die Zahl der Erzählungen, wie er über Telefonkabel stolpert kaum zu zählen. Doch fachlich macht ihm niemand etwas vor. Im Laufe der Jahre wird aus Hill Samual die Macquarie Bank – und aus Moss der Leiter des Risikomanagements. Vor 13 Jahren folgt der Wechsel auf den Chefsessel. Ganz selten gibt er Interviews, und dann nur aus strategischen Gründen. Wie vergangenes Jahr, als er eine spektakuläre Offensive zur Übernahme der London Stock Exchange (LSE) startete. Selbst langjährige Finanzbeobachter in Europa hatten bis dahin nie etwas gehört von Macquarie. So wie in Deutschland. Doch mit dem Kampf um Techem dürfte sich das jetzt ändern.

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