Allan Moss geht in Rente
Nicolas Moore ist neuer Chef bei der Macquarie-Bank

Die australische Macquarie Bank hat einen neuen Direktor: Nicholas Moore. Der bisherige Chef der Investment-Banking-Sparte übernimmt kommenden Montag das Zepter von Vorstandschef Allan Moss, der in Rente geht. Moore ist besonders für einen aggressiven Verhandlungsstil bekannt.

SYDNEY. Moss überlässt seinem Nachfolger eine Bank in schwieriger Lage. Die globale Wirtschaftsentwicklung und die Subprimekrise sind auch an „Mac“, wie Australier die Bank abkürzen, nicht spurlos vorbeigegangen. Am Dienstag meldete die Bank für das letzte Halbjahr einen Gewinnanstieg von enttäuschenden 1,8 Prozent auf 743 Mill. australische Dollar – deutlich weniger als noch im Vorjahr.

Moore steht also vor großen Herausforderungen. Doch dass er diese schaffen wird, daran zweifelt kaum jemand. Denn Macquarie war nie einfach nur Moss. Macquarie war immer auch Moore. Der ausgewiesene Finanzdienstexperte ist seit Jahren der Mann fürs Grobe bei „Mac“. Der 49-Jährige gilt als aggressiver Verhandlungsführer. Er weiß, wie man Geld macht: Als Chef von Macquarie Capital war er für 50 Prozent der Gewinne der Gruppe verantwortlich.

Viel mehr ist nicht bekannt über Moore. Wie sein Vorgänger Moss schützt auch er seine Privatsphäre. Wer ihn aber kennt, beschreibt ihn als Visionär. Somit kann man davon ausgehen, dass auch Europa bald von ihm hören wird – wieder. Er ist der Architekt mehrerer spektakulärer „Deals“ in der alten Welt.

Eine Insiderin meint, Moore könnte die vor einiger Zeit abgebrochenen Pläne für den Kauf von Hochtief wieder aufnehmen, der deutschen Muttergesellschaft des australischen Generalunternehmers Leighton Holdings. Ein solcher Schritt würde Macquarie auf einen Schlag Zugang zu erstklassigen Infrastruktur-Bauobjekten in Milliardenhöhe geben, die sich später geradezu ideal ins Fonds-Portfolio des Finanzunternehmens einfügen lassen würden.

Dem scheidenden Vorstandschef Moore dürfte nicht langweilig werden. Der 58-Jährige dürfte seinem ehemaligen Arbeitgeber weiterhin als Berater zur Seite stehen. Als bestbezahlter Firmenchef der australischen Geschichte kann er es sich leisten, sich zurück zu lehnen. Moss hatte zuletzt ein Jahresgehalt von 24,8 Mill. australische Dollar; 85 mal so viel wie der australische Premierminister.

Nach Ansicht seines Aufsichtsrates war Moss jeden Dollar wert. Er baute in 15 Jahren aus einer kleinen australischen Bank ein weltumspannendes Investmentimperium mit 12 000 Angestellten und Aktiva im Wert von fast 200 Mrd. australischen Dollar. Moss hat das Modell perfektioniert, sich an Aktiva zu beteiligen, die einen steten Fluss von Bargeld garantieren, wie Flughäfen oder Bezahlautobahnen.

Urs Wälterlin
Urs Wälterlin
Handelsblatt / Korrespondent
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