Allianz-Mann Thomas Pütter vertritt die Interessen der gesamten Kapitalbranche
Die Seriosität in Person

Bisher agierte Thomas Pütter im Verborgenen, abseits des grellen Lichts der Öffentlichkeit. So ist es Tradition im vornehmen Allianz-Konzern: Die Führungskräfte von Europas größtem Versicherer halten sich zurück. Konzernchef Michael Diekmann lebt es mit seinen seltenen öffentlichen Auftritten vor.

MÜNCHEN. Aber Pütter, Chef der konzerneigenen Private-Equity-Tochter Allianz Capital Partners (ACP), taucht nun immer häufiger in den Medien auf. Und das hat zwei Gründe. Im März dieses Jahres stand der BVK, der Bundesverband der Kapitalfirmen in Deutschland, plötzlich ohne Chef da. Thomas Kühr von T-Venture, der Wagniskapitalfirma der Deutschen Telekom, stolperte über einen angeblich unrechtmäßig getragenen Doktortitel. Der 47-jährige Pütter als Vertreter der größten Kapitalfirma in deutschem Besitz sprang als neuer ehrenamtlicher BVK-Chef ein. Wenig später trat SPD-Chef Franz Müntefering die Heuschrecken-Debatte los. Seitdem ist Pütters Meinung überall gefragt.

Der umtriebige Allianz-Mann fühlt sich offensichtlich wohl in seiner neuen Rolle. Er stehe gerne in vorderster Linie, sagt ein Branchenkollege. Im Juni will Pütter wieder für die Verbandsspitze kandidieren – seine Wahl gilt als abgemacht.

Pütter ist bestens für den schwierigen Lobbyjob geeignet, denn er ist die Seriosität in Person: große, kräftige Erscheinung, randlose Brille, Siegelring und goldene Manschettenknöpfe. Ihm liege die Branche sehr am Herzen, sagt der Vater dreier Kinder – und räumt diplomatisch Fehler ein: „Wir haben sicher auch keinen perfekten Job bei der öffentlichen Meinungsbildung über unsere Branche gemacht.“ Und fügt an: „Ich trete für eine Versachlichung der Debatte ein. Zurück zu den Fakten muss das Motto heißen.“

ACP hat derzeit zwei Milliarden Euro investiert. Pütter, vorher bei der Investmentbank Goldman Sachs, kam 1998 zur Allianz und baute das Private-Equity-Geschäft auf, also Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen. Bei vielen Firmen sind die Münchener seitdem eingestiegen, etwa beim Raststättenbetreiber Tank+Rast oder beim Gasehersteller Messer Griesheim. Viele Investitionen brachten Gewinne, einige, wie der später insolvente Flugzeugbauer Fairchild Dornier, waren Flops.

„Kapital ist ein scheues Reh, das lieber dort grast, wo die Weiden grün sind und es nicht angegriffen wird“, weiß Pütter aus Erfahrung. Und es klingt schon fast der Politiker durch, wenn er anfügt: „Es wäre sehr schade, wenn Kapital nun Deutschland den Rücken kehren würde.“ Insbesondere die Auswirkungen der Heuschrecken-Diskussion im Ausland sollte man nicht unterschätzen, sagt er. Er hat den Blick von außen: Denn aufgewachsen ist der gebürtige Essener in London. Als Zehnjähriger kam er mit seinen Eltern auf die Insel, dort studierte er auch Wirtschaftswissenschaften.

Viele, meist zustimmende Reaktionen aus Politik und Wirtschaft hätten ihn nach dem Heuschrecken-Vorwurf erreicht, erzählt Pütter. Künftig wolle er gemeinsam mit dem Verband über die Kapitalbranche aufklären. Nur mit einem hat er nach eigenem Bekunden noch nicht gesprochen: mit Franz Müntefering.

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