Allianzen sind „in“
Die Zeit der Einzelkämpfer ist passé

Konkurrenz belebt das Geschäft – vor allem, wenn sie nicht als Bedrohung wahrgenommen wird. Erfolgreiche Firmenlenker behalten Mitstreiter nicht argwöhnisch und ablehnend im Auge, sondern fragen lieber: Wie kann ich von einer Kooperation profitieren?

KÖLN. Beispiel: die Rewe Group. Der Handelsriese, ein führender Lebensmittelanbieter in Europa, schmiedet gerade eine Allianz mit vier europäischen Mitbewerbern. Ein gewichtiger Verbund, denn zusammen betreiben Rewe, die Schweizer Coop, Conad aus Italien, Colruyt aus Belgien und E. Leclerc aus Frankreich 17 200 Supermärkte in 17 Ländern Europas.

Die Wettbewerber wollen durch ihre Allianz nicht nur selbst günstiger einkaufen, sondern sich die Stärken des jeweils anderen zu Nutze machen: „Jeder soll die Leistung anbieten, die er am besten beherrscht, und im Gegenzug anderes delegieren“, beschreibt Michel-Edouard Leclerc von der gleichnamigen Handelskette die Beweggründe. Von einer reibungsloseren Logistik über attraktivere Sortimente bis hin zur besseren Weiterbildung der Mitarbeiter reichen die Vorteile dieses innovativen Geschäftsmodells.

In Kooperationen sehen drei von vier internationalen Konzernbossen den Weg, um im immer schärferen Wettbewerb mit neuen Ideen zu punkten. Das geht aus der CEO-Studie der Unternehmensberatung IBM Business Consulting Services hervor. Dafür wurden weltweit 765 Lenker von Top-Unternehmen persönlich befragt. „Die Unternehmenschefs stehen unter enormem Druck, der Veränderungen nötig macht“, weiß Matthias Hartmann, Geschäftsführer der IBM Deutschland und Leiter der Sparte Unternehmensberatung.

Die Folge: Zwei Drittel der Vorstandschefs wollen ihre Firmen in den kommenden zwei Jahren radikal umkrempeln – um überhaupt im Wettbewerb Schritt halten zu können. In der Vergangenheit haben sich die Manager bei Innovationen auf Produkte und Dienstleistungen konzentriert. In Zukunft aber wollen sie verstärkt operative Abläufe und Geschäftsmodelle neu gestalten. Hartmann: „Und dabei helfen ganz klar Kooperationen.“ Interessant ist: Schon heute werden neue Ideen kaum noch in der hauseigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung erarbeitet, sondern sie kommen verstärkt durch Input von außen – unter anderem durch gezielte geschäftliche Partnerschaften.

Und Allianzen mit Externen scheinen sich auszuzahlen: „Finanziell erfolgreiche Unternehmen sind jene, die auf strategische Kooperation mit Auswärtigen setzen. Etwa in der Pharmaindustrie“, erläutert Hartmann ein eindeutiges Ergebnis der Studie.

Doch obwohl die Unternehmenslenker befruchtende Partnerschaften für besonders wichtig halten, arbeitet nur jeder Zweite bereits weitgehend oder sehr umfassend mit Externen zusammen (siehe Grafik). Wobei die Lust zur Beziehungskiste in den USA deutlich größer ist als in Europa.

Der Grund für die Zurückhaltung: „Vertrauen zum Geschäftspartner – womöglich ein direkter Konkurrent – ist ein ganz neuralgischer Punkt, denn Vertrauen lässt sich nicht von heute auf morgen aufbauen“, gibt Rainer Mehl, Leiter der IBM-Strategieberatung und Mitautor der Studie, zu bedenken. Ganz gut klappt dies schon in den Branchen Chemie und Erdöl sowie in der Telekommunikation. Dort kommt bereits mehr innovativer Input von außen als von innen, belegt die Studie.

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