Alltours-Chef Verhuven
Ein Steuermann lässt los

Er gilt als das "Enfant terrible" der Reisebranche, da er vieles anders macht als die anderen. Wenn Konkurrenten die Preise erhöhen, senkt er sie. Wenn diese unisono Einbußen durch die Luftverkehrssteuer beklagen, widerspricht er laut. Nun sucht Willi Verhuven, Gründer und Chef von Alltours, einen Nachfolger. Doch wer kann übernehmen?
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DUISBURG. Willi Verhuven ist ein Mann zwischen Erfolg und Emotion, für Überraschungen immer wieder gut. Wie jetzt. Heute wird der Reiseveranstalter Alltours verkünden, dass sein Gründer, Alleingesellschafter und Vorsitzender der Geschäftsführung sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen will und einen Nachfolger sucht.

Der 60-jährige Verhuven hat in drei Jahrzehnten aus einem Reisebüro in Kleve nahe der holländischen Grenze den Touristikkonzern Alltours geformt und damit Deutschlands größten konzernunabhängigen Reiseveranstalter und die Nummer vier hinter Tui, Thomas Cook und Rewe. Über 1,5 Millionen Gäste, mehr als eine Milliarde Euro Umsatz, zehn Prozent mehr als im Vorjahr - das sind die aktuellen Zahlen der Duisburger Gruppe. Einst als "Aldi der Reisebranche" von den Großen nicht richtig ernst genommen, hat der eigenwillige, zuweilen exzentrische Selfmademan sein Unternehmen durch alle Krisen gesteuert.

Verhuven wird ziemlich klare Vorstellungen davon haben, wen er als Nachfolger für geeignet hält. Und derjenige muss wissen, dass er unter ständiger Beobachtung stehen wird. Denn der Gründer, der zwar gerne lange Urlaube macht und nach Angaben aus seinem Umfeld auch heute, am Tag der Verkündung seines Ausstiegs auf einer kombinierten Ferien- und Geschäftsreise unerreichbar ist, legt sich für seine Gruppe einen Beirat zu, dem niemand anders als er selbst vorstehen wird.

Das macht die Nachfolge-Frage delikat. Schon in der Vergangenheit war Alltours bekannt für eine hohe Fluktuation gerade bei den Führungskräften. Entweder man konnte mit dem stattlichen Mann, der sich gerne mit sanfter, leicht von der rheinischen Heimat geprägter Stimme, aber pointierter Schärfe in Diskussionen einmischt, oder man konnte nicht. Viele, die in die Firmenzentrale an Duisburgs neuer Hafenmeile gekommen waren, gaben schnell wieder auf. "Ich bin gespannt, wen sich Verhuven ausguckt, funktionieren wird das aber nur, wenn er sich tatsächlich aus dem operativen Geschäft zurückzieht", sagt ein Konkurrent.

Ob er das aber kann? Wie schwer ihm das fällt, zeigt sich bei Präsentationen. Da schickt er erst sein Personal vor, um neue Ziele und neue Pläne vorzustellen, greift dann aber schnell ein. Mit kaum verhohlener Ungeduld wie ein Regisseur, dem seine Schauspieler bei der Generalprobe noch nicht den richtigen Auftritt hinlegen. Er ist dabei stets freundlich-verbindlich im Ton, aber knallhart in der Sache.

Im dreiköpfigen Beirat, der ab Januar tagen soll, wird Verhuven nicht unbedingt Widerspruch erfahren. Denn seine beiden Mitstreiter sind Interne: Ulrike Hipp ist noch Chefin der 210 Alltours-Reisebüros und Gianni Giaccobi führte Alltours Espana. Doch geplant ist, neben den drei Vollblut-Touristikern auch weiteren Sachverstand, etwa von Bankern, in das Gremium zu holen. "Im Sonderfall", so wird Alltours heute verkünden, könne dieses Gremium auch befristet das operative Geschäft führen.

Bleibt die Frage, wer von Verhuven das Steuerrad übernimmt. Oder besser: neben ihm steht.

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