Alltours-Chef
Willi Verhuven: Gewinn ist nicht alles

In der Touristik reden alle vom Öl, das den Urlaub teurer macht. Nicht so Alltours-Chef Willi Verhuven: Er senkt die Preise.

DUISBURG. Vorneweg ist er gerne. Mal mit einem schnellen Spruch, mal mit einem neuen Angebot – dieses Mal mit der Vorstellung seines Winterprogramms. Während die Hitze rund um die Zentrale des Reiseveranstalters Alltours im zur Flaniermeile aufgepeppten ehemaligen Duisburger Innenhafen so brütet wie sonst nur in seinen südlichen Zielgebieten, präsentiert Willi Verhuven noch vor den Reiseriesen Tui, Thomas Cook und Rewe Touristik nicht nur sein Programm, sondern auch schon eine Rückschau auf den Urlaubssommer.

Und liefert für die Branche auch gleich die Überraschung des Tages: Alltours, mit 1,5 Millionen Gästen und 1,1 Milliarden Umsatz die Nummer vier, wird die Preise in der kommenden Wintersaison im Schnitt um 4,1 Prozent senken. Die Konkurrenz wird daran zu kauen haben, wird sie doch bei ihren Programmvorstellungen der Kundschaft klar machen müssen, dass sie, anders als Alltours, die gestiegenen Kerosinpreise in die neuen Pauschalpreise hineinrechnet.

„Das Flugbenzin ist der Preistreiber. Es wird kaum mehr möglich sein, die Preise zu reduzieren, auch wenn das die Konsumbereitschaft unserer Kunden nicht gerade erhöht“, sagt offen der Sprecher eines der drei Branchengroßen. Bei Verhuven klingt das anders. Eher beiläufig verkündet der groß gewachsene Mann mit der sanften Stimme, dessen hohe Stirn aber die Bereitschaft für Zornesfalten erkennen lässt, die gute Nachricht. Die Erklärung verrät auch von seiner Bissigkeit: „Wir brauchen eben keine teuren Restrukturierungsprogramme zu fahren“, schickt er das Grußwort an Tui und Co. „Ich bin nur ein kleiner Mittelständler, bei mir gibt es nicht immer mehr Gewinne bei immer mehr Stellenabbau.“

Und mutiert dann vollends zum guten Menschen vom Niederrhein: 20 Millionen Euro werde das Flugreisegeschäft von Alltours in diesem Jahr an Gewinn vor Steuern abwerfen, 25 Prozent mehr als im Vorjahr. „Eigentlich wollten wir gar nicht so viel verdienen“, sagt er. Fünf bis zehn Millionen würden schon reichen. Und mit verfinsternder Miene legt er nach: Im Übrigen finde er das Wort „Gewinnmaximierung“ zum K... .

Er kann auch sachlicher: Die Ertragslage sei sehr zufrieden stellend, es gebe keine Notwendigkeit für weitere Rentabilitätssteigerungen: „Wir sind ja nicht getrieben von der Börse“, merkt der Alltours-Gründer, Alleingesellschafter und Geschäftsführungsvorsitzende an. Die Preissenkungen seien trotz erhöhter Kerosinkosten das Ergebnis schlanker Strukturen, straffer Kalkulation, optimierter Kapazitätsplanung.

Verhuven ist lange über das Stadium des eher lautsprecherischen Branchenexoten hinaus. Er wird ernst genommen von den Großen, deren Steuermänner er natürlich alle bestens persönlich kennt und gerne auch mal in voller Emotion bewertet – und dann meist sehr kritisch. Was ihn nicht daran hindert, sich seit Jahren mit einer Schwester des aus Duisburg stammenden Tui-Vorstandschefs Michael Frenzel regelmäßig zum Essen zu treffen. In gut drei Jahrzehnten hat der eher zufällig in die Touristik geratene Selfmademan Verhuven sich vom kleinen Reisebüro-Inhaber in Kleve kurz vor der niederländischen Grenze zum Unternehmer gemausert, dessen Firma heute die Größte unter den kleineren Reiseveranstaltern ist.

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