Als Chrysler-Retter gefeiert
Dieter Zetsche - der große Kommunikator

Wann immer über einen möglichen Nachfolger von Daimler-Chrysler-Konzernchef Jürgen Schrempp gesprochen wurde, fiel der Name von Dieter Zetsche. Doch vor der nun tatsächlich erfolgten Berufung durch den Aufsichtsrat drohte sich das Blatt zuletzt gegen ihn zu wenden.

HB STUTTGART. Der 52 Jahre alter Manager mit dem buschigen Schnauzbart hat eine lange und erfolgreiche Karriere im Konzern hinter sich. Vor allem hat er seit November 2000 die heftig schlingernde Chrysler Group auf Kurs gebracht und damit den Kopf von Schrempp gerettet. Denn dessen Vision des globalen Autokonzerns drohte schon früh zu scheitern, als sich Chrysler als Sanierungsfall entpuppte, der Milliarden kostete.

Mit der Kür von Zetsche hat sich der Aufsichtsrat für das größtmögliche Kontrastprogramm zu Jürgen Schrempp an der Spitze des Automobilkonzerns entschieden. Doch ein abrupter Strategiewechsel ist nicht zu erwarten: Vor allem in den USA ist der Chrysler-Chef zu einem positiven Symbol für die lange umstrittene transatlantische Fusion geworden.

Zetsche und sein Vize Wolfgang Bernhard wurden als Feuerwehr geschickt und mussten eine harten Kurs fahren: Rund 26 000 Jobs wurden gekappt und mehrere Fabriken geschlossen. Während Bernhard, der nach heftigem Streit den Konzern verließ und heute VW sanieren soll, sich um Produktion und Qualität kümmerte, schaffte Zetsche mit erfolgreicher Diplomatie das Unerwartete: Die anfangs misstrauisch beäugten Deutschen wurden in der US-Metropole Detroit bald anerkannt und später als Retter von Chrysler gefeiert.

Zetsche erwies dabei als großer Kommunikator, dessen Auftritte bei der Detroit Autoshow fast schon Kultcharakter hatten. Wo der kantige Schrempp sich außerhalb der Pflichttermine zuletzt so rar wie möglich machte und in Interviews einstudierte Durchhalteparolen von sich gab, bevorzugt Zetsche oft lockeren Small-Talk mit Journalisten und Messebesuchern. Gerne zeigt er Gesprächspartnern immer wieder auch stolz die Urkunde, die ihn als Ehren-Feuerwehrmann von Auburn Hills auszeichnet.

Außerdem gelang es ihm in der zweiten Phase der Sanierung, unter behutsamen Einsatz von Mercedes-Technologie neue Produkte entwickeln zu lassen. Diese halfen mit, Chrysler trotz der immer heftiger tobenden Rabattschlachten offenbar nachhaltig in die Gewinnzone zu führen. „Mit Zetsche dürfte nun frischer Wind einkehren bei Daimler-Chrysler“, gibt ihm Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler Vorschusslorbeeren.

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