Alstom-Chef Kron
Der große Feind von Siemens

Siemens will mit seinen Schnellzügen bald durch den Eurotunnel fahren - sehr zum Ärger von Alstom-Chef Patrick Kron. Die Londoner Justiz soll die Vergabe des Geschäfts an den Erzrivalen Siemens verhindern. Auf politische Rückendeckung aus Paris kann sich Kron dabei verlassen.
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PARIS. Patrick Kron ist ein freundlicher und offener Gesprächspartner, der auch mal einen Witz macht. Kommt aber die Sprache auf den Wettbewerber aus München, gerät Kron in Wallung. Denn seitdem Siemens im Jahr 2004 versucht hat, die finanziellen Probleme seines Konzerns Alstom für eine Zerschlagung zu nutzen, ist aus Konkurrenz Feindschaft geworden.

Und jetzt dieser Affront! Siemens-Schnellzüge sollen für die Bahngesellschaft Eurostar durch den Tunnel unter dem Ärmelkanal rollen. Also direkt vor Patrick Krons Haustür. Diesen Affront will er nicht auf sich sitzen lassen - und reicht jetzt deshalb Klage ein. Die Londoner Justiz soll die Vergabe des Geschäfts an den Erzrivalen Siemens verhindern.

Auf politische Rückendeckung aus Paris kann sich Kron dabei verlassen. Der 57-jährige Alstom-Chef zählt zu den wenigen Wirtschaftsbossen, zu denen Staatschef Nicolas Sarkozy wirklich Vertrauen hat.

Das gute Verhältnis hat seinen Ursprung im Jahr 2004. Alstom stand damals vor dem finanziellen Zusammenbruch. Krons Vorgänger hatten fehlerhafte Großturbinen vom Konkurrenten ABB gekauft; die Entschädigung für die Kunden und die Kosten für die Nachbesserungsarbeiten drohten den Konstrukteur der TGV-Schnellzüge in die Knie zu zwingen.

Gegen den Widerstand der EU-Kommission drückte Sarkozy damals durch, dass der Staat frisches Geld dazugab. "Wir haben nicht akzeptiert, dass Alstom zugunsten seines Konkurrenten Siemens zerschlagen wird", jubelte Sarkozy später.

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