Alte Ex-Musikproduzenten sollen Edgar Bronfmans Warner Music neues Leben einhauchen
Rock-Opas auf Beutezug

Zählt man ihre Erfahrung in Berufsjahren zusammen, dann arbeiten die drei Rock-Opas schon seit 160 Jahren im Musikgeschäft. Jac Holzman, 73, Ahmet Ertegun, 82, und Seymour Stein, 63, sollen helfen, die Warner Music Group weltweit wieder ganz nach vorner zu bringen.

LOS ANGELES. Zählt man ihre Erfahrung in Berufsjahren zusammen, dann arbeiten die drei Rock-Opas schon seit 160 Jahren im Musikgeschäft. Sie können sich noch an Plattenpreise von 25 Pfennigen, Weltkriege und Live-Auftritte von Louis Armstrong erinnern. Und nebenbei haben sie die erfolgreichsten Künstler der Welt produziert: The Doors, Ray Charles, Madonna, The Ramones und Led Zeppelin.

Jac Holzman, 73, Ahmet Ertegun, 82, und Seymour Stein, 63, feiern dieser Tage ein Comeback, das sich nach einem Walt-Disney-Märchen anhört. Edgar Bronfman, Chef der Warner Music Group, hat die einstigen Superstars der Musikbranche geholt. Sie sollen helfen, den Musikkonzern im Konzert der vier weltgrößten Musikriesen wieder ganz nach vorne zu bringen. Warner Music rechnet in diesem Jahr nur mit einem stagnierenden Umsatz von 2,8 Milliarden Dollar.

The Good, the Bad, and The Ugly – so tuschelt die Warner-Belegschaft über die drei neuen Rock-Oldies in der New Yorker Kantine. Und niemand traut sich zu sagen, wer denn nun welchen Part übernimmt.

Ahmet Ertegun ist der Älteste im Bunde. Der Mann mit dem grauen Schnauz- und Kinnbart hat einst Atlantic Records gegründet, jenes Plattenlabel, das Ray Charles als aufstrebenden Jazz-Pianisten entdeckte. „Ich war immer schon ein Jazz-Fan“, sagt Ertegun heute. Der Sohn türkischer Einwanderer, der in den 60er- und 70er-Jahren Größen wie The Rolling Stones, die Bee Gees, Led Zeppelin und Aretha Franklin zu Atlantic lockte, soll für Bronfman eine besondere Kollektion alter Aufnahmen von Ray Charles erarbeiten. Dafür hat der pfiffige Ertegun, der nachmittags im Büro ein Nickerchen machen darf, einen Freund an Bord geholt: den ehemaligen Led-Zeppelin-Gitarristen Jimmy Page.

Bronfman glaubt, dass Ertegun ein Mann ist, der „durch alle Blendereien schnell die Wahrheit entdecken kann“. Als sich die Musikgruppe unlängst zur Präsentation einer jungen Band in New York traf, unterbrach Ertegun die Lobeshymnen des Bandmanagers mit der Frage: „Und wie ist die Band live?“ Der Angesprochene fing an zu stottern und gab zu, dass er die Combo noch nie live gesehen habe. „Es sind diese Erfahrungswerte, die Bronfman in seinem Oldie-Team sucht“, glaubt Jim Henke, Vizepräsident im Rock and Roll Hall of Fame Museum in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio.

Einen fast noch wichtigeren Part bei Warner Music hat Jac Holzman übernommen. Der einstige Gründer von Elektra Records, der die Doors entdeckt hat, soll für Bronfman ein Label entwickeln, das sich nur mit Musik zum Herunterladen aus dem Internet beschäftigt. Holzman arbeitete lange als Cheftechnologe für Warner Communications.

Eigentlich wollte er in seinem Alter „keinem geregelten Job mehr nachgehen“. Nach 23 Jahren Elektra war er ausgestiegen. Ein Häuschen in Hawaii, ein bisschen Surfen, und ab und zu mal einen Beratungsjob. So wollte der Jim-Morrison-Freund, der mit der Musiklegende zu dessen Lebzeiten häufig im Pub diskutierte, sein Leben fristen.

Doch er überlegte es sich anders. „Weil ich mit alten Freunden noch ein letztes Mal etwas bewegen möchte“, sagt der sympathische Mitsiebziger und klopft seinem alten Weggefährten Ertegun bei einem Fototermin für die Zeitschrift „Business Week“ freundschaftlich auf die Schulter. Bewegen muss die Musikindustrie tatsächlich etwas, damit es ihr wieder besser geht. Allein in den USA rutschte der Musikverkauf im ersten Halbjahr um 7,6 Prozent.

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