Ambani gegen Ambani Familienfehde auf indisch

Der Familienstreit hat in Indien Tradition - und bis heute scheint der Zwist nicht ausgestorben zu sein. Das reichste Brüderpaar der Welt - Mukesh und Anil Ambani - streitet seit Jahren mit allen Mitteln um das väterliche Firmenimperium. Momentan hat der jüngere Anil die besseren Karten.
  • Helmut Hauschild
Anil Ambani streitet mit seinem Bruder Mukesh um das väterliche Erbe. Quelle: ap

Anil Ambani streitet mit seinem Bruder Mukesh um das väterliche Erbe.

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DELHI. Indiens großes Volksepos, die Mahabharata, erzählt vom verhängnisvollen Zerwürfnis eines alten Herrschergeschlechts. Und wie so oft in diesem Land mit seiner langen Tradition scheint es, als lebe das Erbe der Vergangenheit bis heute fort. Gebannt verfolgt ganz Indien den Bruderzwist zwischen Mukesh und Anil Ambani um das Erbe des verehrten Vaters Dhirubhai. Der Streit ist eine Staatsaffäre. Die beiden, 52 und 50 Jahre alt, sind das reichste Brüderpaar der Welt. Ihre Unternehmen erwirtschaften vier Prozent des indischen Bruttoinlandsprodukts.

Das jüngste Kapitel der Familienfehde endete Anfang der Woche mit einem Kantersieg für Anil. Das oberste Gericht in Bombay verurteilte Mukeshs Unternehmen Reliance Industries dazu, Erdgas aus einem riesigen Gasfeld vor Indiens Ostküste für beinahe die Hälfte des staatlich festgelegten Preises an Anils Kraftwerksbetreiber Reliance Natural Resources zu liefern. 17 lange Jahre soll der Richterspruch gelten. Analysten haben ausgerechnet, dass er Mukesh jährlich 800 Mio. Dollar kosten wird. Der Aktienkurs von Reliance Industries brach um fast acht Prozent ein, der von Reliance Natural Resources legte 24 Prozent zu.

Anil hatte sein Recht auf den Vorzugspreis aus einer Absichtserklärung abgeleitet, die 2005 bei der Aufteilung des väterlichen Firmenimperiums geschlossen worden war. Mukesh hatte die Vereinbarung als nichtig bezeichnet. Das Urteil dürfte für Anil eine besondere Genugtuung sein. Denn bis heute wurmt den jüngeren der beiden das Gefühl, bei der Verteilung des Erbes benachteiligt worden zu sein. Zudem hatte ihm Mukesh vor knapp einem Jahr sein bisher spektakulärstes Geschäft kaputtgemacht – die Fusion des zu Anils Firmengruppe gehörenden Telekomkonzerns Reliance Communications mit Südafrikas Branchenprimus MTN. Mukesh pochte monatelang auf ein angebliches Vetorecht. MTN stieg entnervt aus. Und verhandelt heute stattdessen mit Anils schärfstem Wettbewerber Bharti Airtel über einen Zusammenschluss.

Als Dhirubhai Ambani 2002 starb, deutete nichts darauf hin, dass die beiden Söhne sich bald wie Intimfeinde bekriegen würden. Sie galten als ideales Gespann, das Werk des erfolgreichen Vaters fortzuführen: Mukesh, der Kühle mit dem knallharten Geschäftssinn; Anil, glamourös und gewinnend mit Kultstatus bei Indiens Jugend. Doch schon ein Jahr später kam es zum Bruch. Und 2005 beschlossen die Brüder, das Reliance-Imperium unter Vermittlung von Mutter Kokilaben aufzuteilen. Mukesh bekam die Öl- und Gasförderung, die Industriesparte und den Einzelhandel. Anil Telekom Entertainment, die Finanzdienste und den Kraftwerksbereich.

Seither scheuen die Brüder keine Mühe, dem anderen in die Suppe zu spucken. Will Mukesh Kraftwerke bauen, klagt Anil dagegen. Plant Anil einen Börsengang, versucht Mukesh den Kurs zu verderben. Bis zum Größenwahn reicht das Bedürfnis, sich gegenseitig zu übertreffen. So wird Mukesh dieses Jahr aus dem noblen Apartmentblock der Ambani-Sippe in Bombay in das teuerste Privathaus der Welt umziehen: 27 Stockwerke hoch, mit 600 Bediensteten und drei Helikopterlandeplätzen auf dem Dach.

Das Gericht in Bombay hat die Hoffnung auf ein Happy End trotzdem nicht gänzlich aufgegeben. Einen Monat hat es das Urteil ausgesetzt und den Brüdern Zeit gegeben, sich doch noch gütlich zu einigen. Die Mama soll es wieder richten.

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