AMD
Im Strudel des Insiderskandals

Er galt als begabter Aufsteiger. Aus ärmlichen Verhältnissen kämpfte er sich an die Spitze des Chipherstellers AMD. Jetzt kämpft Hector Ruiz um seinen Ruf. Denn angeblich soll er in den Börsenskandal um den Finanzmanager Raj Rajaratnam verwickelt sein. Und plötzlich steht seine ganze Lebensleistung in Frage.
  • 0

MÜNCHEN. Als Kind soll Hector Ruiz jeden Tag zu Fuß aus seiner mexikanischen Heimatstadt Piedras Nagras über die amerikanische Grenze nach Eagle Pass gelaufen sein, um dort auf die Schule zu gehen. Und obwohl Ruiz erst mit 16 Englisch gelernt hatte, war er schließlich der Klassenbeste.

Heute ist Ruiz 63 Jahre alt. Im Lauf der vergangenen vier Jahrzehnte hat es der promovierte Ingenieur bis an die Spitze von AMD geschafft, einem der bekanntesten High-Tech-Unternehmen Amerikas. In seiner Karriere musste der Aufsteiger aus Mexiko viele Schlachten schlagen, eine Menge davon hat er verloren, manche gewonnen. Meist ging es um Marktanteile und neue Chipgenerationen, die jüngste Zeit war geprägt vom Kampf gegen den ewigen AMD-Rivalen Intel.

Jetzt steht der Mann mit der sanften Stimme vor einer Auseinandersetzung, wie er sie noch nie erlebt hat – und deren Ausgang völlig offen ist. Ruiz soll in den größten Insiderhandel von Hedge-Fonds verstrickt sein, den Amerika je erlebt hat.

Zum Hintergrund: Die US-Behörden haben vor knapp zwei Wochen den Finanzmanager Raj Rajaratnam und fünf angebliche Komplizen festgenommen. Sie sollen durch vertrauliche Informationen unerlaubt Aktiengewinne von 20 Millionen Dollar (14 Mio. Euro) erzielt haben.

Einer der Informanten für die kriminellen Machenschaften soll Ruiz gewesen sein, berichteten gestern US-Medien. Der Manager habe einer Beschuldigten des Insider-Netzwerkes im September 2008 Informationen über ein Aufspaltung des AMD-Konzerns zukommen lassen, heißt es. AMD hat Ende vergangenen Jahres seine beiden Fabriken in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Arabern eingebracht. Er selbst war zu diesem Zeitpunkt schon als Chef von AMD zurückgetreten. Wegen tiefroter Zahlen hatte Ruiz im Sommer seinen Stuhl räumen müssen. Doch Ruiz, der im Gespräch stets sehr ruhig und besonnen wirkt, war als Chef des Verwaltungsrats noch in alle Entscheidungen eingebunden. Inzwischen steht er dem Aufsichtsrat des neu gegründeten Joint Ventures mit dem Namen Globalfoundries vor.

Ruiz selbst wollte sich gestern zu dem Fall nicht äußern. Er gelte jedoch bislang nicht als Beschuldigter und es gebe auch keine Beweise, wonach er mit seinen Hinweisen Geld verdient hat, hieß es am Mittwoch.

Seite 1:

Im Strudel des Insiderskandals

Seite 2:

Kommentare zu " AMD: Im Strudel des Insiderskandals"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%