Amerikaner im Toyota-Vorstand
Japan im Kopf, USA im Pass

Der Autobauer Toyota befördert den Amerikaner James Press in den Vorstand – als ersten Ausländer. Zwar ist Press bereits 37 Jahre im Unternehmen und schon ein Stück weit Japaner. Doch für den Erfolg im weltgrößten Automarkt muss Toyota ein bisschen amerikanisch werden.

NEW YORK / TOKIO. Das Gesicht Toyotas in Amerika ist sportlich, kantig – und dennoch sehr unauffällig: Obwohl James Press mit 60 Jahren noch ein hoch ambitionierter Schwimmer und Triathlet ist, wird man große Töne von ihm nie hören: Die passen weder zu ihm noch zu seinem Arbeitgeber; einer konservativ geführten Firma, für die Bescheidenheit, Fleiß und Sparsamkeit zentrale Erfolgskriterien sind.

Dass der US-Automanager im 37. Jahr bei Toyota ein Stück weit Japaner geworden ist, verwundert nicht. Überraschender ist eher, dass Toyota nun ein bisschen amerikanisch wird. Der neuerdings weltgrößte Autobauer hat seinen Nordamerika-Präsidenten befördert und in jenen Führungszirkel berufen, in dem bisher nur altgediente Japaner saßen: „Die Geburt des ersten ausländischen Vorstandsmitglieds“, so überschrieb die konservative Zeitung „Sankei“ ihren Artikel über den netten „Mister Press“. Ansonsten blieb die Berichterstattung so nüchtern wie Toyota selbst.

Ganz neu sind ausländische Topmanager in Japans Industrie nicht. Auch Nissan und Sony haben schon ausländische Chefs, seit sich immer mehr Firmen aus Amerika und Europa in Japan beteiligen. Aus Sicht von Toyota-Mitarbeitern bringt das neue Vorstandsmitglied in erster Linie eine psychologische Veränderung. Press ist zwar bei den Vorstandssitzungen gegenüber seinen 29 japanischen Kollegen im Nachteil, weil er kein Japanisch spricht. Zwischen dem Amerikaner und der Diskussion wird also immer ein Übersetzer stehen und den Stand der Gespräche verspätet wiedergeben.

Doch das entscheidende Faktum bleibt: Die USA sind im Vorzeigeunternehmen Nummer eins des einstigen Kriegsgegners da repräsentiert, wo zumindest formal die Entscheidungen fallen.

Das geschieht bei Toyota extrem langfristig und in gewundenen Prozessen. Mit der Aufnahme von Press in den Vorstand erkenne Toyota die Fähigkeit des Amerikaners an, dieses Spiel mitzuspielen, heißt es im Unternehmen. Sein Verhalten habe bereits etwas Japanisches, attestieren Weggefährten. Press habe die Essenz des „Toyota-Wegs“ verinnerlicht.

Aufgewachsen in Prairie Village, einem kleinen Ort in Kansas, wird Press früh vom Autovirus infiziert: Sein älterer Bruder repariert Karossen, der Onkel verkauft sie. Nach dem College steigt er als Management-Trainee bei Ford ein. Als sein Chef 1970 zu Toyota wechselt, lässt sich auch Press auf den Kulturschock ein. Eigentlich will er sich nur das Rüstzeug holen, um als Händler ein eigenes Geschäft aufbauen zu können.

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