Analystin verlässt Ratingagentur Trennung am Hochzeitstag

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Doch auf die harsche Kritik der Branche reagierte sie allemal schneller als die Damen und Herren in den Chefetagen der Fondsgesellschaften je zuvor. Seit dem jüngsten Fondsrating Ende April verzichtet die Scope Analysis OEF, die sie leitete, auf Anlageempfehlungen. Die Branche brauchte dagegen Jahre und eine handfeste Krise, bis sie die von Merz und Stefan Loipfinger, ihrem Mitstreiter in der Sache, aber Konkurrenten um öffentliche Aufmerksamkeit, vorgeschlagene Reformen Anfang des Jahres in Angriff nahm. Für Privatanleger ist die Abkehr von konkreten Empfehlungen allerdings ein Rückschritt, denn aus dem Noten-ABC- der Ratingagenturen können sie sich künftig kaum einen Reim mehr darauf machen, ob sie in einen Fonds investieren oder die Finger davon lassen sollen.

Nun lässt Merz die Finger von Scope, lässt sich dann aber doch noch etwas entlocken. Schoeller habe ihr die Geschäftsführung der Scope Analysis angeboten. Die habe sie aber nicht haben wollen. „Ich halte meinen Kopf nicht für Dinge hin, von denen ich nichts verstehe.“ Gemeint sind die übrigen, in anderen GmbHs unter dem Dach der Scope Holding angesiedelten Analyseaktivitäten, wozu beispielsweise das Rating geschlossener Fonds gehört.

Merz, die seit 2002 bei Moody’s für das Rating der deutschen offenen Immobilienfonds zuständig war und 2004 zu Scope wechselte, hat sich den Respekt von Freund und Feind mit akribischer Analyse von Fondsdaten erarbeitet. Sie selbst sagt: „Analystentum ist nicht, jeden Tag ’Kanam verkaufen’ zu schreien.“ Dass die in wenigen Tagen 40-Jährige die Ruhe dazu im häuslichen Büro trotz ihrer fünf Kinder findet, erstaunt. Sie selbst räumt freimütig ein, dass das französische Erziehungssystem es ihr erleichtert, Familie und stressigen Beruf unter einen Hut zu bringen. Die französische Ganztagsschule und eine Haushaltshilfe tragen zum Erfolg des kleinen Familienunternehmens bei. Hinzu kommen zwei typisch deutsche Eigenschaften, über die ihr elsässischer Ehemann ab und an nur schmunzeln kann: Disziplin und Ordnung. Teil dieser Disziplin, ist, dass die Frau, die für die Branche wie für Journalisten eigentlich immer erreichbar ist, die Woche über zwischen 16.30 und 18.00 Uhr den Anrufbeantworter einschaltet. „Dann brauche ich Zeit für meine Kinder, die von der Schule nach Hause kommen.“

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