Andreas Kaufmann
Der leidenschaftliche Leica-Liebhaber

Nun verbindet nicht nur seine Leidenschaft und ein dicker Batzen Geld Andreas Kaufmann mit Leica. Der 53-jährige Beteiligungs-Manager wird Chef des traditionsreichen, aber kriselnden Kameraherstellers Leica. Für die Marke würde er alles geben.

WIEN. Kein Zweifel. Der Mann, so beschreibt ihn eine Kollegin, ist dem Mythos verfallen: Andreas Kaufmanns Salzburger Büro gleicht eher einem Devotionalien-Handel für Leica-Produkte als dem nüchternen Arbeitszimmer eines Beteiligungs-Managers: Bücher über die legendäre Kamera und ihre Fotografen stehen da zuhauf, daneben liegen die Leicas verschiedener Baujahre, Werbeschilder und sogar eine Gürtelschnalle mit Leica-Namenszug, die vor dem Zweiten Weltkrieg in den USA verkauft wurde.

Spätestens seit Freitag verbindet den 53-Jährigen nicht nur seine Leidenschaft und ein dicker Batzen Geld mit dem traditionsreichen, aber seit Jahren kriselnden Kamerahersteller. Denn nun soll es der Österreicher bei Leica auch persönlich wieder richten: Als Manager der Beteiligungsgesellschaft ACM, der Leica bereits zu 95 Prozent gehört, löst er den glücklosen bisherigen Leica-Chef Steven Lee ab, der sich nur knapp anderthalb Jahre auf dem Sessel gehalten hat. Der Devotionalienhändler legt dafür sein Mandat als Leica-Aufsichtsrat nieder und soll die Geschäfte gemeinsam mit Leica-Finanzvorstand Andreas Lobejäger zunächst bis Ende Februar des übernächsten Jahres leiten, teilte der Leica-Aufsichtsrat mit.

Leica gehört zu jenen traditionsreichen Kameraherstellern, die zehn Jahre nicht glauben wollten, dass Digitalkameras einmal die hergebrachte Technik ablösen würden. Und als das Unternehmen aus dem hessischen Solms aus seinem Dornröschenschlaf erwachte, hatten sich Sony und Co. den Markt aufgeteilt.

Der damals neue Mann Lee kämpfte bereits auf verlorenem Posten: Im dritten Quartal 2007 (bis Ende Dezember) schrumpfte der Umsatz bei Leica erneut von 45,4 Millionen auf 38,2 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis halbierte sich auf 1,8 Millionen Euro. Dazu gibt es Ärger mit den üblichen Aktionären, die sich dagegen wehren, das ACM Leica von der Börse nehmen will. Sie versuchen, das Letzte aus dem Unternehmen herauszupressen, um einen möglichst hohen Preis für ihre Beteiligung zu erhalten. Um all das muss sich Kaufmann nun persönlich kümmern. Er muss dabei seine heiße Leidenschaft mit kalter Professionalität verbinden. Bisher hat er bei Leica allerdings mehr sein persönliches Sammlerglück als geschäftlichen Erfolg gefunden.

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