Andreas Langenscheidt
Auch Armin Mueller-Stahl kann den Brockhaus nicht retten

Mit der Brockhaus-Enzyklopädie musste nun ein Klassiker unter den Nachschlagewerken die Segel streichen. Nachdem selbst künstlerische Gestaltung des Einbands nicht mehr helfen konnte, geht Andreas Langenscheidt, Aufsichtsratschef des Verlags, nun im Internet in die Offensive.

DÜSSELDORF. Am Ende konnte selbst Hollywood-Schauspieler Armin Mueller-Stahl dem legendären Brockhaus-Lexikon nicht mehr helfen. Der Mime hat künstlerisch die Leineneinbände des Brockhaus gestaltet, der knapp 5 000 Euro kostet. Opulente Enzyklopädien sind eben beim Leser im 21. Jahrhundert nicht mehr gefragt.

Nun zieht Andreas Langenscheidt, Aufsichtsratschef des Brockhaus-Verlags, einer Tochter der Münchener Verlagsgruppe Langenscheidt, daraus seine Konsequenzen. Die gedruckte Enzyklopädie wird eingestellt. Stattdessen geht Mitte April ein kostenloses Lexikon-Portal online, dass dem ungeliebten Internetkonkurrenten Wikipedia das Fürchten lehren soll. Während Wikipedia von den Nutzern selbst geschrieben wird, soll Brockhaus online weiter von einer professionellen Redaktion betreut werden, um die inhaltliche Qualität zu sichern. Der Online-Brockhaus wird wie Wikipedia gratis angeboten. Er soll sich nach den bisherigen Plänen über Werbung finanzieren.

Dem Verleger Andreas Langenscheidt ist die Entscheidung nicht leichtgefallen. Die bayerische Verlegerfamilie ist bereits vor zehn Jahren bei dem Mannheimer Verlag eingestiegen. Heute hält sie 70 Prozent an der Brockhaus Verlags AG.

Doch der weltoffene Langenscheidt kennt die Veränderungen im Kommunikationsmarkt. Der 55-jährige Aufsichtsratschef des Brockhaus-Verlags hat in den vergangenen Jahren die Technisierung des Wörterbuch- und Lexikonverlags vorangetrieben. „Er ist ein technikaffiner Mensch“, beschreibt ihn einer seiner Mitarbeiter. Nun gab er grünes Licht für die Entscheidung, dass die Brockhaus-Enzyklopädie des 21. Jahrhunderts die letzte in der traditionsreichen Reihe sein wird. Millionenverluste beschleunigten den Entscheidungsprozess. Rund 50 Stellen von insgesamt 250 sollen im Mannheimer Verlag gestrichen werden.

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