Andreas Preuß
Der „Bulldozer“ wird Macher in Frankfurt

Andreas Preuß soll nach Stimmen in Finanzkreisen im Zuge der Börsen-Fusion von Frankfurt und New York der Stellvertreter von US-Vorstandschef Duncan Niederauer werden. Der 54-Jährige gilt als „harter Hund“, als durchsetzungsfähiger „Bulldozer“.
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New York/FrankfurtNicht unbedingt schmeichelhaft sind die Stichworte, mit denen Kunden und Mitstreiter den wohl künftig mächtigsten Frankfurter Manager in der sich abzeichnenden deutsch-amerikanischen Börsenehe bedenken. Andreas Preuß sei ein "harter Hund", ein "Bulldozer". Dieses Durchsetzungsvermögen ist jetzt gefragt: Der Chef der weltgrößten Derivatebörse Eurex soll nach einer Fusion der Börsenplätze Frankfurt und New York Stellvertreter von US-Vorstandschef Duncan Niederauer werden, heißt es in Finanzkreisen.

Zudem wird Preuß wohl neben der Eurex auch die Liffe, die Derivatebörse der Nyse Euronext, von der Mainmetropole aus steuern. Er würde damit den Löwenanteil der Gewinne verantworten, den die neue Superbörse erwirtschaftet. Das macht den kantigen Manager, der öffentliche Auftritte gerne vermeidet, zum Hoffnungsträger derjenigen, die nach einem Zusammenschluss um den Börsenplatz Frankfurt bangen. "Die Durchsetzungfähigkeit dazu hat er, ihm fehlt die diplomatische Ader", sagt ein alter Weggefährte.

Einigkeit herrscht in der Szene darüber, dass der 54-jährige Preuß das Geschäft besser versteht als die meisten anderen Börsenmanager. "Er hat selbst jahrelang vor allem in den USA auf der Kundenseite gearbeitet. Er denkt die Börse vom Handel her und nicht in akademischen Blaupausen", sagt ein früherer Mitarbeiter. Daraus leitet er ein Expertenwissen ab, das nach Meinung mancher Kollegen in Sturheit mündet. "Zu oft lässt er andere spüren, dass ihm deren Meinung gleichgültig ist", sagt etwa ein Londoner Börsenmanager.

Preuß ist ein alter Hase im Derivategeschäft und hat die Deutsche Terminbörse, den Vorläufer der Eurex, in den 90er-Jahren mitgegründet. In den USA verfügt Preuß über ein gutes Netzwerk, schließlich hat er um die Jahrtausendwende für den Chicagoer Derivatebroker Trading Technologies gearbeitet. Als 2006 die damals geplante Eurex-Expansion in die USA am Widerstand der dortigen Lobby scheiterte, wurde er nach Frankfurt zurückgeholt, um einen neuen Anlauf zu wagen. Durch den teuer bezahlten Kauf der Optionsbörse ISE schuf er in New York zumindest einen Brückenkopf. Kommt es zu der Fusion der beiden Börsen, krönt er damit seine Karriere mit der Leitung der größten Derivatebörse der Welt.

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