Andreas Schober
Der bescheidene Firmenkäufer

Während andere Chefs aus der Private-Equity-Branche gerne gleich die große Marketing-Keule auspacken, bleibt der in Washington geborene Österreicher Andreas Schober, Chef des Private-Equity-Anbieters Hannover Finanz, nüchtern und bescheiden. Gegenüber dem Handelsblatt verrät er, warum er sich manchmal nach früher zurücksehnt und wie er sein Bauchgefühlt entwickelte.

FRANKFURT. Vielleicht liegt das an seiner Ausbildung als Ingenieur, vielleicht auch an seinem Arbeitgeber Hannover Finanz, dem der 55-Jährige seit 21 Jahren treu ist. "Wir haben nie groß auf den Busch geklopft", sagt Schober. Seit Juli ist er der neue Vorstandssprecher des Mittelstandsfinanzierers und Nachfolger des Private-Equity-Pioniers Albrecht Hertz-Eichenrode.

Hannover Finanz investiert seit 30 Jahren Eigenkapital in Mittelständler - und gehört in diesem Segment hierzulande zu den großen Namen wie Odewald oder DBAG. Dass er einmal Firmen aufkauft, umbaut und später wieder - hoffentlich mit Gewinn - verkaufen wird, ahnt der Sohn eines österreichischen Diplomaten lange Zeit nicht. Nach dem Elektro-Ingenieur-Studium in Wien und den USA arbeitet er beim Computerkonzern Hewlett-Packard, geht dann zu einer Unternehmensberatung in Paris. "Irgendwann kam mir die Idee, beides miteinander zu kombinieren", sagt Schober - und denkt eher an Venture Capital.

Doch er landet bei Hannover Finanz. Die betätigt sich damals über ihre Berliner Tochter WBB noch als Wagniskapitalgeber. Doch bald zieht man sich aus dem Segment zurück und beschränkt sich auf den Mittelstand, so dass sich Schober notgedrungen mit einer anderen Gewichtsklasse anfreunden muss.

Das aber mit Erfolg. Er ist 1988 an der 100 Mio. D-Mark schweren Übernahme des Schmiertechnikspezialisten Willy Vogel AG beteiligt, mit der Hannover Finanz in eine neue Liga aufsteigt; und erst nach 15 Jahren mit Gewinn aussteigt. Dutzende weitere folgen, darunter das Engagement bei Mobilcom. Es liegt Schober besonders am Herzen. "Das war zu einer Zeit, als keiner hier Mobilfunk richtig kannte", sagt der Beteiligungsmanager. "Es war ein großes Risiko, aber die Resonanz beim Börsengang hat uns bestätigt."

Manchmal sehnt sich Schober, der in seiner Freizeit Golf spielt und während des Studiums als Skilehrer jobbte, ein wenig nach den guten alten Zeiten zurück. Damals, als noch nicht ganze Heerscharen von Beratern und Anwälten bei Deals mit an Bord waren. "Da war alles handgestrickt, damals habe ich mein Bauchgefühl entwickelt", erklärt er. "Viele der Jungen heute haben das nicht, die verlassen sich nur auf die Analysen der Wirtschaftsprüfer und Banken."

Man darf getrost davon ausgehen, dass Schober damit den einen oder anderen Heißsporn meint, der bei Häusern wie Cerberus, Blackstone oder Apollo untergeschlüpft ist. Sagen würde er das natürlich nie. Die Milliardendeals der Mega-Fonds waren das Geschäft der Hannover Finanz nicht - und werden es sicher auch nicht mehr. "Diese Spielwiese überlasse ich gerne den anderen", sagt Schober. So wie man ihn kennt - eben ganz bescheiden.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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