Andreas Wölfer
Der Reichenbetreuer der Unicredit

Andreas Wölfer ist neuer Chef des Private Bankings von Unicredit. Das heißt, er ist für die Reichen unter den Kunden zuständig – und soll nun diese nun auch im Osten gewinnen. Kundengespräche muss Wölfer dabei jedoch schon lange nicht mehr führen.

MAILAND. Für die Plastikbecher im Konferenzraum in der Mailänder Unicredit-Zentrale hat Andreas Wölfer nur einen abschätzigen Blick übrig. Der 48-jährige Chef des Private Bankings der Gruppe ist anderes gewohnt. Er kümmert sich um die Wohlhabenden unter den Unicredit-Kunden, und bei denen muss schon ein echtes Glas auf den Tisch. Er selbst sieht aus wie jemand, dem betuchte Menschen ihr Vermögen anvertrauen würden: Ein perfekter Seitenscheitel teilt die hellbraunen welligen Haare, Manschettenknöpfe halten das makellos weiße Hemd am Handgelenk zusammen, eine schwarze Moleskine-Kladde seine Notizen.

Kundengespräche muss Wölfer jedoch schon lange nicht mehr führen. Er ist im Mai zum neuen Chef des Private Bankings der europaweit tätigen Großbank berufen worden. Neben Theodor Weimer, dem Chef der Hypo-Vereinsbank (HVB), ist er der einzige Deutsche im 20-köpfigen Management Committee der Bank. Unicredit hat vor vier Jahren die HVB geschluckt.

Bisher hat Wölfer das Private-Banking-Geschäft in Italien, Deutschland, Österreich, Luxemburg und der Schweiz direkt unter sich und verwaltet damit 130 Mrd. Euro von insgesamt 250 000 Kunden. Ende des Jahres kommt Polen und in zwei Jahren die übrigen sieben osteuropäischen Länder hinzu.

Mitarbeiter beschreiben Wölfer als "typischen braven Bankertyp", der allerdings durchaus ehrgeizig ist, wie auch seine Karriere zeigt. Seine Aufgabe beschreibt er nüchtern: "In Zukunft wollen wir eine europäische Privatbank mit einem einheitlichen Kunden-Service-Modell für alle bauen.". Bisher haben im Private Banking die Einheiten in den verschiedenen Länder für sich gearbeitet.

Um die neuen Strukturen nach außen deutlich zu machen, will Wölfer die Namenvielfalt abschaffen. "In Zukunft soll das Private Banking größtenteils unter einem Brand auftreten, welcher dann natürlich Unicredit wäre", sagt er.

Wölfers Kunde darf werden, wer eine halbe Million Euro mitbringt. Die Investmentstrategie für die wohlhabende Klientel will der neue Chef künftig zentral in Mailand erarbeiten lassen und dann auf die Länder herunterbrechen.

Bei den Mitarbeitern ist Wölfer beliebt. "Er ist sehr kommunikativ und nicht einer, der die Dinge einsam im Elfenbeinturm entscheidet", sagt einer aus dem Umfeld der Bank. Wölfer treffe manchmal schnell Entscheidungen, sei aber immer noch für Gegenargumente offen. Doch seien die Vorgaben der Unicredit hart: "Da kann auch der Wölfer keine Bäume ausreißen", sagt ein HVBler.

Italien kannte Wölfer bisher vor allem aus dem Urlaub mit dem Surfbrett. Nun ist er auf Wohnungssuche, die Familie will er später nachholen. Und sein Eindruck von der Arbeitskultur? "Die Norditaliener arbeiten hart und sind viel weniger am Dolce-Vita orientiert, als man denkt. Manchmal entdecke ich dort sogar typisch deutsche Tugenden - etwa was strikte Regeln betrifft."

Vielleicht schreckt Wölfer auch deshalb nicht, dass Unicredit bisher nicht für ihr Private Banking bekannt ist, sondern als europäische Bank für "normale" Privatkunden. "Ich bin überzeugt, dass der Ansatz der Universalbank im Wettbewerb gewinnt" sagt er. Aber vor allem habe er Präsenz in der Fläche: In Deutschland ist seine Bank an 50 Standorten, in Italien an 150 präsent. "Der Rosenheimer will nicht nach München fahren und der Würzburger kommt nicht nach Frankfurt".

Kurzvita

1961 Geburt in Würzburg.

1989 Diplom-Betriebswirt in München.

1989 Trainee bei der Deutschen Bank.

1992 Wechsel zur Commerzbank.

1996 Bereichsleiter Marketing und Vertrieb der Fondsgesellschaft ADIG.

1999 Chef des Fondsanbieters Activest, der zur HVB gehört.

2002 Bereichsvorstand der HVB.

2006 Vorstand der Hypo-Vereinsbank.

2008 Mitglied des Unicredit Group Executive Committee.

Mitarbeit: Axel Höpner

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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