Andrew Cuomo
Verbraucherschützer und Politprofi

Wenn ein populärer Wall-Street-Guru einen Politiker zur besten Sendezeit im US-Fernsehen als "Kommunisten" beschimpft, dann kommt dies einer öffentlichen Hinrichtung gleich. Und das heißt vor allem eines: Der so Geschmähte hat sich mit einer mächtigen Lobby angelegt. Genau so etwas tut Andrew Cuomo andauernd.

NEW YORK. Derzeit brummt der New Yorker Generalstaatsanwalt Großbanken wegen illegaler Praktiken im Hypothekengeschäft heftige Geldstrafen auf und schickt damit die Aktienkurse der ohnehin wegen der Krise angeschlagenen Institute auf Talfahrt.

Seit kurzem kennt man den "General" deshalb auch außerhalb der USA. Denn immer wieder macht er sich für die Rechte der Anleger stark und legt sich mit der Finanzszene an. Er selbst gefällt sich dabei in der Rolle des Robin Hood der Finanzwelt. Aktuell erzwingt er den milliardenschweren Rückkauf von komplexen Anleihen (Auction Rate Securities) von Citigroup, UBS und JP Morgan,. Seit Donnerstag hat er auch die Deutsche Bank im Visier.

Cuomos Ansicht nach hätten die Institute diese in der Finanzkrise wertlos gewordenen Papiere nicht an Kleinanleger verkaufen dürfen. Der Markt war im Februar zusammengebrochen. Um lange, rufschädigende Gerichtsverfahren zu vermeiden, willigten die mächtigen Wall-Street-Fürsten zähneknirschend ein. Kritiker bezweifeln allerdings, dass den karriereorientierten Spross einer New Yorker Politikerdynastie der pure Altruismus treibt.

Cuomo, Sohn des legendären New Yorker Gouverneurs der 80er- und 90er-Jahre, Mario Cuomo, und zeitweise mit einer Frau aus dem Kennedy-Clan verheiratet, ist ausgebildeter Jurist, aber mit Leib und Seele Politiker der Demokratischen Partei. Unter Bill Clinton schaffte er es bis zum Wohnungsbauminister, bewarb er sich im Jahr darauf als Kandidat für den New Yorker Gouverneursposten. Doch zu viel Häme gegen seinen Konkurrenten schadete ihm dabei. Cuomo verzichtete, um 2006, politisch schon als tot abgestempelt, mit der Wahl zum Generalstaatsanwalt das Comeback einzuleiten.

Denn als David im Dienste der Verbraucher gegen böse Banken und ihre illegalen Praktiken, ist das Amt ideales Karrieresprungbrett. Sein Vorgänger Elliot Spitzer hatte es von hier auf den Gouverneurssessel geschafft. Ein Vergleich Cuomos mit dem an der Wall Street ebenfalls gefürchteten Spitzer ist unvermeidlich. Menschen, die beide länger kennen, halten Cuomo für weniger populistisch in Ton und Tat, aber auch für etwas weniger intellektuell. "Man kann nur hoffen, dass der wichtigste Unterschied zu Spitzer ist und bleibt, dass er sich von leichten Mädchen fern hält", sagt ein Banker in Anspielung auf die Callgirl-Affäre, die Spitzer vor wenigen Monaten sein Amt kostete.

Erst 2010 kann Cuomo sich für das Amt bewerben, an dem er im ersten Anlauf scheiterte. Bis dahin äußert er sich, ganz Politprofi, erst ausweichend, um dann wie nebenbei zu erzählen, welche großartigen Erfahrungen er als Sonderberater seines Vaters gemacht habe, der zweimal gewählt worden war. "Man kann also weitere Attacken auf die Banken von ihm erwarten, solange sie ihm Popularität verschaffen", prophezeit ein PR-Berater in der US-Finanzmetropole.

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