Andrew Hall
Der umstrittene Öl-Zocker wechselt die Seiten

Der wohl umstrittenste und bestbezahlte Händler der Wall Street hat eine neue Heimat. Andrew J. Hall wurde am Wochenende von der Citigroup verstoßen und samt seiner Energiehandelsfirma Phibro verkauft. Der ungewöhnliche Scheidungsgrund: Übermäßiger Erfolg.

NEW YORK. Weil der 58-Jährige am Ölmarkt so geschickt taktierte, dass ihm ein Jahresgehalt von 100 Mio. Dollar zustand, wurde er für die teilverstaatlichte Bank und ihren angeschlagenen Chef Vikram Pandit zum Imageproblem. Ab 2010 wird Hall nun für den kalifornischen Ölmulti Occidental Petroleum zocken. In Los Angeles und im Phibro-Hauptquartier im noblen New Yorker Vorort Westport knallten am Wochenende die Korken. An der Wall Street dürfte der Unmut unter den übrigen Citigroup-Händlern nach diesem Kotau vor der Politik weiter wachsen.

Der öffentlichkeitsscheue Hall ist selbst in der an erfolgreichen Finanzjongleuren und Exzentrikern reichen Wall Street eine Rarität. Seit 1997 ist der von ihm geführte Energiehändler Phibro trotz Dot.com-Crash und Subprime-Krise durchgängig profitabel. In den letzten zehn Jahren steuerte die 1901 als Philipp Brothers gegründete Citigroup-Tochter 4,5 Mrd. Dollar zu den Konzerneinnahmen bei.

Dabei führte der studierte Chemiker seine in der Abgeschiedenheit Connecticuts operierende, 50 Angestellte umfassende Einheit wie einen autonome Firma. Rund 20 Prozent der Gewinne standen Phibro zur Entlohnung der Händler zu.

Langfristige Wetten auf tektonische Verschiebungen an den Energiemärkten sind das Erfolgsrezept des gebürtigen Briten, der sich seine Sporen in den 70er-Jahren bei BP London erwarb. So setzte Hall 2003 darauf, dass sich Lieferkontrakte für Rohöl wegen des Aufstiegs Chinas zu Weltwirtschaftsmacht deutlich verteuern würden. Die Wette ging 2005 auf, und Hall verdiente mit 125 Mio. Dollar rund fünf Mal so viel wie der damalige Citigroup-Chef Chuck Prince.

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