Andrew Jennings
Aus Kapstadt zu Karstadt

Anfang 2011 wird Andrew Jennings Chef von Karstadt. Dann steht der ehemalige Topmanager von Woolworths im Rampenlicht der deutschen Öffentlichkeit. Nicht nur die Belegschaft der wiederbelebten Karstadt-Gruppe, sondern die ganze deutsche Handelsbranche fragt sich: Wie tickt Jennings? Einblicke in die Philosophie des Handelsmanagers.
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HB. Samstag ist für Andrew Jennings Kaufhaus-Tag. Das war schon immer so in seiner Karriere als Topmanager im Einzelhandel. Samstags inspiziert er Regale, Kühltheken und Obststände, prüft die Frische der Waren, spricht mit Kunden, Kassiererinnen und Managern. Der Samstag, sagt Jennings, sei der wichtigste Tag für einen Händler. Und so ist der Tag auch ein Seismograph für sein persönliches Befinden.

Drei Jahre lang inspizierte Jennings als Geschäftsführer von Woolworths in Südafrika jedes Wochenende die Warenhäuser der Kette. Künftig wird er regelmäßig in den Filialen von Karstadt in deutschen Städten zu sehen sein und dort mit Kunden und Verkäufern reden. Anfang Januar übernimmt der 62-Jährige die Geschäftsführung der Karstadt Warenhaus GmbH.

Deren neuer Besitzer, der Investor Nicolas Berggruen, hat ihn vor drei Monaten auf den Posten gelockt. Jennings war seit dem Ausstieg bei Woolworths Ende 2009 als Berater tätig. Nicht nur die Belegschaft der wiederbelebten Karstadt-Gruppe, sondern die ganze deutsche Handelsbranche fragt sich: Wie tickt dieser Mann?

Bei seinem letzten Arbeitgeber in Südafrika wurde Jennings trotz seiner ausgesuchten Höflichkeit "The Hurricane" genannt. Und im Gespräch mit ihm wird schnell klar, warum: Auch nach fast 40 Berufsjahren hat er nichts von seiner Leidenschaft für den Einzelhandel verloren. Er sprüht vor Ideen.

Über das, was sich bei Karstadt ändern muss, will er im Gespräch mit dem Handelsblatt noch nicht reden. Lieber über das, was er bei Woolworths geschafft hat.

Etwa dies: Als er eines Abends in der großen Woolworths-Filiale an der Kapstädter Waterfront vorbeischaute, fiel ihm ein Abstellraum in bester Lage des Gebäudes auf. Hinter dessen Wänden verbarg sich der Blick auf den Hafen. Jennings fackelte nicht lange: Die Wand wurde weggebrochen und durch eine Glasfront ersetzt. Heute ist die einstige Rumpelkammer eine schicke Tapas-Bar, von der die Woolworths-Kunden auf Hafenbecken und Cruiseliners blicken können. Stolz ist er auch auf seine Idee, Woolworths-Delikatessen auf Inlandsflügen der südafrikanischen Comair zu servieren. Die Passagiere applaudierten.

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