Andrzej Jaworski - Vorstandschef der Danziger Werft
Seine erste Bewährungsprobe

Andrzej Jaworski, neuer Vorstandschef der Danziger Werft, legt sich mit der EU an.

HB WARSCHAU. Die Flugblätter sind noch druckfrisch: „Wir verlieren Tausende von Arbeitsplätzen, wenn wir die Forderung der EU erfüllen.“ Beschäftigte der Danziger Werft wollen am kommenden Freitag vor dem Sitz der EU-Kommission in Brüssel demonstrieren.

Auch Andrzej Jaworski, Vorstandschef der Werft, hat sein Kommen angekündigt. Der 37-Jährige, seit gut einem Jahr im Amt, steht vor seiner erster Bewährungsprobe als Manager eines großen Industrieunternehmens. Denn die EU-Kommission hat die Danziger Werft aufgefordert, zwei größere Werksteile zu schließen. Andernfalls, so urteilt EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes, müsse die Werft jene 1,3 Milliarden Euro zurückzahlen, die sie seit Mai 2004 als Strukturhilfen vom polnischen Staat erhalten hat.

Tatsächlich sehen die Regeln der EU vor, dass staatliche Hilfsgelder nur bei Kapazitätsverringerungen aufgrund eines genauen Umstrukturierungsplans vergeben werden dürfen. Dieser liegt bislang nicht vor. Jaworski hält seine Strategie dagegen. Er will 75 Prozent der Anteile der Werft zum Preis von etwa 100 Mill. Euro an einen internationalen Investor verkaufen. „Wir haben die Unterlagen an 50 mögliche Interessenten auf der ganzen Welt geschickt“, berichtet er.

Er weiß auch sehr genau, dass der 31. August als Tag des Protestes in Brüssel klug gewählt ist. Denn für die meisten Polen ist die Danziger Werft eines der wichtigsten nationalen Symbole. Vor 27 Jahren entstand dort aus einer Streikbewegung von Arbeitern die Solidarnosc (deutsch: Solidarität) – die erste freie Gewerkschaft im kommunistischen Ostblock. „Auch als relativ junger Mensch weiß ich diese Geschichte zu schätzen“, sagt der Chef. Und er freut sich, dass kein geringerer als Lech Walesa ihn unterstützt. „Ein mögliches Ende der Werft wäre für mich eine persönliche Niederlage“, sagte Walesa, der damals an der Spitze des Kampfes stand.

Ob sich Jaworski bei seiner ersten Bewährungsprobe erfolgreich schlagen wird, ist fraglich. Denn es waren wohl nicht nur fachliche Gründe, die ihn im vergangenen Jahr an die Spitze der Werft brachten. Immerhin war er bis dato nicht nur Direktor einer Maschinenfabrik in Warschau, sondern auch Funktionär der Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) von Ministerpräsident Jaroslaw Ka-czynski gewesen.

Dessen Regierung hat in den letzten zwei Jahren systematisch Parteigenossen in die Vorstände und Aufsichtsräte von Unternehmen gehievt, deren Anteile mehrheitlich noch der Staat hält. Und das waren Parteifreunde – mit und ohne fachliche Qualifikation.

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