Angeblich Meinungsverschiedenheiten mit Vorstandschef Thielen
Das filmreife Ende einer Ära

Gerd Schulte-Hillen tritt als Aufsichtsratsvorsitzender der Bertelsmann AG und stellvertretender Präsidiumsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung zurück.

DÜSSELDORF. Bereits im Laufe des Tages kursierten in Gütersloh die ersten Gerüchte. An einem verregneten Novembermittwoch sollte die Karriere von Gerd Schulte-Hillen bei Bertelsmann zu Ende gehen. Am frühen Abend war es für die Eingeweihten in der Konzernzentrale am Stadtrand der ostwestfälischen Kleinstadt bereits Gewissheit: „Bela“ – wie Schulte-Hillen nicht nur von Freunden im Konzern genannt wird – verlässt nach 34 Jahren Bertelsmann. Der 63-Jährige hat nur wenige Tage nach dem Rückzug als Aufsichtsratsvorsitzender des Verlags Gruner + Jahr auch den Vorsitz im Aufsichtsrat der Bertelsmann AG in Gütersloh niedergelegt. Sein Vertrag wäre erst bei der Vollendung seines 70. Lebensjahres ausgelaufen.

Noch am späten Abend feilten die PR-Manager in der Gütersloher Carl-Bertelsmann-Straße an wohlfeilen Worten. Trotz aller offiziellen Dankesbekundungen: Schulte-Hillens überraschend schneller Abtritt ist seine letzte noch verbliebene Möglichkeit, seine Kritik am Vorstandschef Gunter Thielen und dessen Schutzherrin Liz Mohn spektakulär zum Ausdruck zu bringen.

Der Rücktritt von „Bela“ bei Europas größtem Medienkonzern kommt alles andere als unerwartet. Schon vor Monaten berichteten Unternehmenskreise von Konflikten zwischen Schulte-Hillen und Thielen. „Bela kennt Thielen länger als seine eigene Frau“, sagte ein Insider gestern zum Verhältnis der beiden. Doch die gute Menschenkenntnis nützte Schulte-Hillen, der als Chef des Verlagshauses Gruner + Jahr (Stern, Geo, Brigitte) zwischen 1981 und 2000 Umsatz und Ertrag verdreifachte, am Schluss nichts mehr.

Liz Mohn und ihr 61-jähriger Konzernchef Thielen hatten sich gegen den letzten großen Kritiker in Gütersloh durchgesetzt. Anlass des endgültigen Zerwürfnisses war gestern der Streit über die anvisierte Fusion der Musiksparten von Bertelsmann und Sony. Zuletzt war mit heißer Nadel ein „letter of intent“ zwischen den Deutschen und den Japanern gestrickt worden und pünktlich zu Eröffnung der prächtigen Berliner Konzernrepräsentanz vor zwei Wochen präsentiert worden. Schulte-Hillen machte sich gestern im Aufsichtsrat zum Sprecher der Kritiker, die Zweifel an einer Partnerschaft mit Sony hegen.

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